AUA: Kollektivvertrags-Verhandlungen vorläufig nun doch abgesagt!
- Streik-Schaden wird auf fast 650.000 Euro geschätzt
- Weitere Streiks laut Betriebsrat durchaus möglich
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Das Ringen um einen neuen gemeinsamen Kollektivvertrag (KV) für Piloten und Flugbegleiter von Austrian Airlines und Lauda Air geht weiter: Gespräche, an denen sich auch Vertreter der Sozialpartner - Wirtschaftskammer und Gewerkschaft - beteiligen sollten, wurden für heute abgesagt. Der Vorstand hatte zuletzt die Bedingung gestellt, nur noch unter Einbindung der Sozialpartner weiterzureden. Aus Sicht des Betriebsrat Bord ist damit weiter "alles möglich", also auch Streiks.
"Der Vorstand will nicht", sagte AUA-Bord-Betriebsrat Karl Minhard. Die AUA dagegen verweist auf ihre Position, wonach sie nur noch auf Ebene der Sozialpartner mit der Belegschaftsseite sprechen will. Die Erfahrung habe "leider gezeigt, dass bilaterale Runden so keinen Sinn machen", teilte AUA-Chef Vagn Sörensen mit. Der heutige Termin wäre "bilateral" gewesen, so die Begründung von AUA-Sprecher Johannes Davoras. Die Wirtschaftskammer bemühe sich um die Abstimmung eines Termins mit der Gewerkschaft HTV, der voraussichtlich "diese oder nächste Woche" zu Stande kommen solle.
Der AUA-Betriebsrat Bord stehe für Gespräche weiter zur Verfügung, aber "wir stehen vor der kuriosen Situation, dass wir keinen Gesprächspartner haben", so Minhard. Weitere Schritte seitens der Belegschaft behält er sich vor. "Wir werden unsere Interessen durchsetzen und überlegen, was wir tun". Ob und wann es weitere Streiks geben kann, ließ Minhard offen. "Es ist alles möglich, heute, morgen, übermorgen, wir legen uns nicht fest", sagte der Betriebsrat.
AUA-Chef Vagn Sörensen: "Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass bilaterale Runden, in denen die Grundsatzvereinbarungen zwischen und mit den Sozialpartnerspitzen Gefahr laufen, von unseren Bordbetriebsräten negiert und um weitere Zusatzforderungen ergänzt zu werden, so keinen Sinn machen".
Der zweistündige "wilde Streik" vom Freitagnachmittag habe einen finanziellen Schaden von "zumindest 650.000 Euro" verursacht, schätzt die AUA nach einer ersten Bestandsaufnahme. Die tatsächlichen Kosten dürften darüber liegen, dazu komme der kaum zu beziffernde Imageschaden, der noch höher einzustufen sei. Die Unternehmensleitung prüft derzeit schuldhaftes Verhalten und allfällige Konsequenzen daraus.
Rund 6.000 Passagiere waren betroffen, als im Zuge einer Betriebsversammlung am Freitag ein zweistündiger Warnstreik ausgerufen wurde. Der Vorstand habe kein Interesse an weiteren Gesprächen gezeigt, lautete die Begründung. 19 Flüge mussten gestrichen werden, bei mehreren Langstreckenflügen gab es Verspätungen. Vorangegangen war ein 8-stündiger Verhandlungsmarathon zwischen AUA-Vorstand und AUA-Bord-Betriebsrat in der Nacht auf Freitag, der gegen Mitternacht einvernehmlich unterbrochen wurde.
Der AUA-Bord-Betriebsrat wirft dem Vorstand vor, die geplante Zusammenführung von Austrian und Lauda Air und den gemeinsamen KV nun nicht mehr - wie ursprünglich vereinbart - zu wollen. Das Management weist dies hingegen zurück. Der gemeinsame KV sei nach wie vor das "favorisierte Modell", betonte AUA-Sprecher Johannes Davoras. Die Belegschaftsvertreter hätten jedoch Zusatzforderungen erhoben.
Die strittige Frage der Anmeldung eines Lauda Air-Flugzeugs zum Erhalt der behördlichen Bewilligung und des Flugnummernpräfixes wurde in den nächtlichen Gesprächen offenbar ausgeräumt. Die Bordbelegschaft hatte befürchtet, die AUA-Führung könnte sich durch die Beibehaltung eines Flugzeuges mit dem Lauda-Hoheitszeichen (NG) eine Hintertür für die Gründung einer Billigairline unter der Bezeichnung Lauda Air mit billigem Personal offen halten. Strittig sind unter anderem noch Details einer Pensionskassenvereinbarung für die Piloten. (apa)
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