Yukos: Kerngeschäftsbereich von russischen Behörden beschlagnahmt
- Steuerschuld summiert sich auf 10 Milliarden Dollar
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Die russischen Behörden haben am Montagabend sämtliche Kerngeschäftsbereiche des Ölkonzerns Yukos beschlagnahmt. Yukos verfüge nicht über ausreichende Mittel, seine Steuerschuld zu begleichen, argumentierte das Justizministerium. Die Yukos-Aktie fiel am Dienstag um 20 Prozent.
Am Freitag hatte ein Gericht die bereits vollzogene Beschlagnahmung des Kerngeschäfts Yuganskneftegaz für unrechtmäßig erklärt. Am Montagabend teilte das Ministerium unter Verweis auf die unzureichenden Finanzmittel von Yukos mit, die Bedingungen hätten sich verändert, und beschlagnahmte Yuganskneftegaz erneut. Die Behörde will damit Steuernachzahlungen in Höhe von 3,4 Mrd. Dollar für das Jahr 2000 eintreiben. Einschließlich erwarteter weiterer Forderungen dürfte sich die Steuerschuld von Yukos auf rund 10 Mrd. Dollar summieren, sagen Analysten.
Gesamtes Kerngeschäft unter Behördenkontrolle
Der russische Staat hat mit der neuerlichen Beschlagnahmung nun die Kontrolle über das gesamte Kerngeschäft von Yukos - drei Unternehmensbereiche, die 95 Prozent seiner Ölproduktion von 1,7 Mio. Barrel täglich ausmachen. Am Vortag hatte ein Moskauer Schiedsgericht zudem das Einfrieren der Aktiva des zweitgrößten Yukos-Förderbetriebs, Tomskneft, bestätigt. Zwar lieferte Yukos weiterhin Öl aus. Beobachter sehen in dem Vorgehen der Behörden aber die Entschlossenheit des Staates, Yukos zu zerschlagen.
Neues Berufungsverfahren?
Allein Yugansk fördert 60 Prozent des Yukos-Öls, das wiederum ein Fünftel der gesamten Produktion Russlands ausmacht. Das Land ist der weltweit zweitgrößte Öllieferant nach Saudi-Arabien. Ein Verkauf dieses Geschäfts würde Yukos nach eigenen Angaben in seiner Existenz bedrohen. "Es ist wahrscheinlich, dass wir erneut in ein Berufungsverfahren gezwungen werden", sagte ein Yukos-Sprecher.
Der Fall Yukos hat in den vergangenen Monaten mit zur Verunsicherung an den Ölmärkten und zum hohen Anstieg der Ölpreise beigetragen. Experten gehen davon aus, dass die russischen Behörden daher nicht an einem Stopp der Ölexporte interessiert sind, da sie sich sonst dem Vorwurf der Verknappung des Rohstoffs aussetzen würden.
Öllieferung vorläufig gesichert
Zuletzt hatte der Konzern erklärt, die Gebühren für den Transport von rund 300.000 Barrel Öl pro Tag nur bis Dienstag geleistet zu haben. Zumindest die Ölexporte von Yukos auf dem Schienenweg schienen am Montagabend aber gesichert, selbst wenn das Unternehmen die ausstehenden Transportgebühren nicht mehr zahlen kann. "Wir werden auch nach dem 10. August die Lieferungen nicht stoppen", sagte Bahnsprecherin Marina Kowschowa. Ihr Argument: "Wir werden weiter arbeiten wie wir es in der Vergangenheit getan haben, weil es im Interesse des Staates liegt."
Die Aktien des Yukos-Konzerns fielen am Dienstag zum Börsestart um mehr als 20 Prozent. Um 10 Uhr notierte die Aktie an der Moskauer Börse mit 108,6 Rubbel (3,03 Euro) immer noch 14,5 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages. (apa)
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