Montag, 9. August 2004

Keine guten Aussichten: Hoher Ölpreis führt zu einer Verteuerung der Flugtickets!

  • British Airways- & Air Berlin-Kunden betroffen
  • AUA, Lufthansa & Ryan Air wollen Ticketpreise halten

Nicht nur Autofahrer leiden unter dem hohen Ölpreis. Jetzt steigen auch die Preise der Flugtickets. Die britische Fluggesellschaft British Airways (BA) verdoppelt angesichts der rasant gestiegenen Treibstoffpreise seinen Kerosinaufschlag, auch die die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin verhandelt nach Angaben einer Sprecherin mit den Reiseveranstaltern über höhere Ticketpreise. Andere Fluggesellschaften wollen mit dieser jüngsten Maßnahme aber vorerst nicht mitziehen.

Austrian Airlines und Lufthansa wollen ihre Preise vorerst stabil halten, schließen ähnliche Schritte für die Zukunft aber nicht aus.

Der irische Billigflieger Ryanair versicherte am Montag, nicht an seinen Preisen zu drehen. Die Passagiere könnten sich darauf verlassen, dass die Fluggesellschaft "keine Aufschläge für die Treibstoffpreise erhebt: nicht heute, nicht morgen, niemals", erklärte Ryanair am Montag. "Das Ziel von Ryanair bleibt es, seinen Kunden täglich die niedrigsten Preise in Europa anzubieten." Die Mitteilung von BA, seinen Treibstoffzuschlag wegen der hohen Rohölpreise mehr als zu verdoppeln, nutzte Ryanair zur Kritik am britischen Konkurrenten, der "die Passagiere mit Kerosinzuschlägen bestraft statt seine Betriebskosten zu senken".

Auch Europas zweitgrößter Billigflieger Easyjet will die Ticketpreise trotz steigender Treibstoffkosten vorerst stabil halten. "Wir können die Preise nicht anheben. Denn die Menschen fliegen, weil es günstig ist. Sonst würden Sitze leer bleiben", sagte Vorstandschef Ray Webster am Montag auf Anfrage in Berlin. Die Airline werde Wege finden, höhere Kerosinkosten mit Einsparungen in anderen Bereichen auszugleichen. Im noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahr sei rund die Hälfte des Treibstoffbedarfs zu festen Preisen gesichert.

Die AUA hatte bereits in der Vorwoche erklärt, den am 24. Mai eingeführten Kerosinzuschlag von 6 Euro je Strecke bis auf weiteres nicht erhöhen zu wollen. 35 Prozent der Treibstoffkosten für 2004 seien über Hedging-Maßnahmen abgesichert worden. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2003 musste die Austrian Airlines-Gruppe (AUA, Lauda Air, Austrian arrows/Tyrolean) 19 Mio. Euro mehr für Treibstoff aufwenden.

Lufthansa-Sprecherin Katrin Haase sagte: "Wir beobachten die Lage ganz genau. Gegenwärtig haben wir keine Pläne, die Preise anzuheben." Auch beim Billigflieger Hapag Lloyd Express (HLX) sind voerst keine direkten Preiserhöhungen vorgesehen. Ein Sprecher sagte, HLX habe große Anteile der Kerosin-Versorgung abgesichert. Zudem habe die Airline ein sehr dynamisches Preissystem - sollte also eine Preiserhöhung notwendig werden, könne diese damit aufgefangen werden.

British Airways
British Airways kündigte heute in London an, dass Passagiere auf Langstreckenflügen ab (kommenden) Mittwoch mehr bezahlen müssen. Auf Langstreckenflügen wird der Kerosinzuschlag von 2,50 Pfund (3,75 Euro) auf 6 Pfund (9 Euro) pro Flug angehoben. Auf Kurzstreckenflügen bleibe der Preisanteil unverändert bei 2,50 Pfund. "Die Preise für Benzin sind in den letzten zwölf Monaten um 45 Prozent gestiegen", sagte Finanzvorstand John Rishton. Die Kerosinkosten lägen 2004 voraussichtlich um 225 Mio. Pfund (338 Mio. Euro) höher als im Vorjahr. Rishton ging davon aus, dass der Aufschlag bei Langstreckenflügen 70 Mio. Pfund (105 Mio. Euro) einbringen wird.

Air Berlin
Eine Air Berlin-Sprecherin sagte, die Fluggesellschaft wolle ab dem Winterflugplan von den Reiseveranstaltern pro Platz 6 bis 9 Euro mehr verlangen. Sie wies aber darauf hin, dass die Direktkunden von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft nicht von der geplanten Erhöhung betroffen seien. "Es gibt nach wie vor Plätze für 29 Euro", sagte sie. Es könne aber sein, dass die übrigen Plätze schneller teurer würden als zuvor. Bei Air Berlin steigt der Preis in Schritten von 10 Euro. Bei Air Berlin betrage der Anteil der Kerosinkosten mittlerweile 20 Prozent, nach 16 Prozent im Jahr zuvor. Die Fluglinie habe sich "ein Stück weit" gegen steigende Ölpreise abgesichert. Details wollte die Sprecherin nicht nennen. (apa/red)

9.8.2004 07:26