Mittwoch, 11. August 2004

Ruhe vor dem Sturm im ÖSV-Lager: Segler merken (noch) nicht viel von Olympia

  • 49er-Crew Delle-Karth/Resch vermisst Flair
  • Neue Vorschriften des internationalen Verbandes

Du bist bei den Olympischen Spielen, aber kriegst es nicht mit. Die Segler, die vom Yachthafen an der Agios-Kosmas-Küste aus, knapp 35 Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt, ihre Wettfahrten segeln, spüren vom Flair der Fünf Ringe noch nicht viel. "Die Anlage ist riesig, das ist natürlich toll, aber alles verläuft sich, da kommt dann schwer Stimmung auf", erzählt Olympia-Debütant Nico Delle-Karth, für den am Montag mit seinem Vorschoter Niko Resch im 49er das olympische Abenteuer so richtig beginnt.

Österreichs Segelteam hat in einem Appartement nahe dem Hafen Quartier bezogen, die Nähe zum Wasser bewährt sich natürlich in der Vorbereitungs- und Wettkampfphase. "Aber wenn wir einen Ruhetag haben, wollen wir schon was anschauen, damit wir von Olympia was mitbekommen. Und am 26. August ziehen wir ins Olympische Dorf, bis die Spiele aus sind. Olympische Spiele sind ohne Dorf nicht dasselbe", will Delle-Karth mit guten Erinnerungen und umfassenden Erfahrungen wieder die Heimreise antreten.

Bestens bekannt ist den ÖSV-Zukunftshoffnungen, die heuer bei der EM auf Platz sieben und der WM auf Platz 20 kamen, das Segelrevier. Insgesamt 55 Trainingstage haben der Tiroler Steuermann und sein Kärntner Vorschoter heuer hier bereits absolviert. "Deshalb fühlen wir uns auch ganz normal, weil wir alles hier kennen, es ist alles vertraut", gibt sich Delle-Karth locker. Nur die Sicherheitskontrollen und die strengen Vorschriften des Internationalen Segelverbandes deuten darauf hin, dass es sich um eine besondere Regatta handelt.

Genaueste Bootsvermessung
"Die Boots-Vermessung war viel genauer als sonst. Aber am längsten hat dann das Bekleben von Segel und Boot gedauert", berichtet der HSZ-Soldat. Auch für ÖSV-Sportkoordinator Georg Fundak grenzt manches etwas an Schikane. "Der internationale Segelverband will für alle Nationen gleiche Bedingungen schaffen, es gibt viele neue Vorschriften, das ist auch für uns ungewohnt."

So dürfen sich die Reserveboote und die Ersatzteile nicht auf der Olympiaanlage befinden. "Sie sind in einem Container außerhalb. Wenn etwas kaputt ist, kann man es nicht gleich selbst reparieren. Man braucht eine schriftliche Genehmigung, um Ersatzteile zu holen. Damit wollen sie jede theoretische Manipulation ausschließen", weiß Fundak. Auch bei Schwimmwesten wird trotz Zertifikat der Auftrieb überprüft, ebenso werden die Haftpflichtversicherungen nachkontrolliert. Und spätestens dann weißt du: Du bist bei Olympia, und nicht bei irgendeiner Segelregatte.
(apa)

11.8.2004 13:59