Freitag, 13. August 2004

Doping-Wirbel um Olympia-Stars: Griechen Kenteris & Thanou nicht vor IOC erschienen

  • Sondersitzung des griechischen NOK am Samstag
  • Mysteriöser Motorradunfall der beiden endet im Spital

Wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Athen bemühte sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) fieberhaft um Aufklärung der Doping-Affäre um Griechenlands Sporthelden Kostas Kenteris. In Aufruhr versetzte allerdings vor der Anhörung ein Motorradunfall des 200-m-Olympiasiegers und der Sprint-Europameisterin Ekaterini Thanou. Sie waren in der Nacht zum Freitag verunglückt und hatten leichte Verletzungen erlitten.

Zur Anhörung durch die IOC-Disziplinarkommission, die von dem Deutschen Thomas Bach geleitet wird, sind die beiden trotz einer Vorladung für Freitagmittag nicht erschienen. Sie blieben zur ärztlichen weitere 24 Stunden zur Versorgung in einem Krankenhaus.

Das Nationale Olympische Komitee von Griechenland hat für Samstag (14:00 Uhr MESZ) eine Sondersitzung in Athen einberufen. Dabei sollen die versäumten Dopingtests der Sprint-Stars Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou behandelt werden, wie NOK-Präsident Lambis Nikalaou am Freitagnachmittag mitteilte.

Vor rund 30 TV-Kameras und etwa 200 Journalisten betonte IOC-Präsident Jacques Rogge : "Die Spiele sind stärker als der Einzelne. Jeder Athlet, der erwischt wird, ist ein Sieg für den Sport." Doping-Fälle würden das "Image der Spiele nicht zerstören". Dagegen wurden die Olympia-Gastgeber in einen Schockzustand versetzt. "Ganz Griechenland ist erstarrt", titelte das Sportblatt "To Fos".

Anhörung verschoben
Die Anhörung der beiden des Dopings verdächtigten griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ektarini Thanou ist von der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf Montag verschoben worden. Grund dafür ist ein Motorradunfall der beiden Leichtathleten, die einen Aufenthalt in einem Athener Krankenhaus für weitere 48 Stunden notwendig macht, teilte das IOC mit.

Kenteris und Thanou wird vorgeworfen, am Donnerstag trotz Aufforderung durch die IOC-Kontrolleure vorsätzlich nicht zu einer angeordneten Doping-Kontrolle im Olympischen Athletendorf erschienen zu sein. Beenden konnte Rogge Spekulationen, ob das Sprint-Duo nachträglich noch getestet wurde: "Es gab keine Kontrollen."

Unfall in der Nacht auf Freitag
Der Unfall der verdächtigen Sprinter ereignete sich nach Informationen des Präsidenten des griechischen Leichtathletik-Verbandes (SEGAS), Vasilis Sevastis, nach einem Besuch bei ihrem Trainer Christos Tzekos. Beide stürzten auf dem Rückweg ins Olympische Dorf mit dem Motorrad ihres Coachs. Die Ursache ist noch unbekannt. "Sie haben keine ernsthaften Verletzungen", erklärte Tzekos.

Kenteris hatte die Maschine gefahren, Thanou saß hinter ihm. Beide wurden nicht ernsthaft verletzt, aber in ein Krankenhaus gebracht. "Der Unfall ereignete sich wohl auch, weil beide in einem schlechten psychologischen Zustand waren. Sie sind nicht ernsthaft verletzt worden, werden aber noch weiteren medizinischen Tests unterzogen", erklärte Sevastis.

Unterdessen beteuerte Papadogiannakis, dass das Nationale Olympische Komitee (NOK) des Gastgeberlandes nichts verbergen will. "Dass es einige Missverständnisse gab, ist etwas anderes", sagte er dem staatlichen griechischen TV- Sender NET, "viele Sportler verlassen das Olympische Dorf aus vielen verschiedenen Gründen".

Kenteris, der als erster 200-m-Läufer der Welt nacheinander Olympiasieger, Welt- und Europameister wurde, galt als einer der heißen Kandidaten für die Entzündung des Olympischen Feuers. In der Leichtathletik-Szene galt der 31-Jährige nach seinem Sensations-Coup in Sydney 2000 als mysteriöse Figur, die zu wenigen Meetings erschien, aber bei Hauptereignissen pfeilschnell unterwegs war.
(apa)

13.8.2004 09:59