Montag, 9. August 2004

Harte Kritik an Deutschland von Krankl vor Freundschaftsspiel: "Falsches Vorbild"

  • "In Fußball-, in der Trainer-Ausbildung, im Training"
  • Teamchef fordert nach 25 Jahren Emanzipation

Vor dem insgesamt 33. Länderspiel gegen Deutschland am 18. August im Wiener Happel-Stadion (20.45 Uhr) hat Österreichs Teamchef Hans Krankl den Fußball in beiden Ländern kritisiert. Er fordert eine rot-weiß-rote Emanzipation vom großes Bruder und Nachbarn. "Wir hatten das falsche Vorbild", sagte der Wiener in einem Interview. 25 Jahre habe sich Österreich nur an Deutschland orientiert.

"In der Fußball-, in der Trainer-Ausbildung, im Training. Das war falsch, weil auch Deutschland falsch lag", meint der 51-Jährige. Es sei in beiden Länder nur noch um Kraft und Kondition gegangen, begründet der einstige "Goleador", der beim legendären 3:2 über die Deutschen 1978 im Rahmen der WM-Endrunde in Cordoba zwei Tore beisteuerte. Man habe österreichischen Fußballern immer gesagt: "Wenn wir auch so rennen und kämpfen wie die Piefkes, dann würden wir sie immer schlagen."

"Wir haben es mitverschlafen"
Dabei habe man die Technik und die Schnelligkeit ganz vergessen. "Genau das, exzellente Technik in höchstem Tempo, zeichnet aber die großen Spieler aus - einen Zidane, van Nistelrooy oder Henry. Das hat man in Deutschland verschlafen, und wir haben es mitverschlafen. Weil wir das falsche Vorbild hatten", erklärte Krankl in dem Frage und Antwortspiel mit dem "Tagesspiegel" auf die Krise sowohl im deutschen als auch im österreichischen Fußball angesprochen.

Unvorstellbar: Deutscher Trainer für Österreichisches Nationalteam
Dass jemals ein Deutscher das österreichische Nationalteam betreuen könnte, ist für Krankl unvorstellbar. "Das schließt sich aus", sagt er dezitiert. Er sei ohnehin dafür, dass nur ein einheimischer Teamchef seines Landes werden könne. "Nur er hat das Herz. Er kann am besten empfinden, worum es geht."

Für einen österreichischen Spieler habe er alles erreicht. Aber als Trainer? Da habe er gar nichts erreicht und genau deswegen auch noch einen hohen Ehrgeiz. "Ich bin jetzt 15 Jahre Trainer und mit vier großen Vereinen gearbeitet - Tirol, Salzburg, Rapid und Admira - Meister war ich nie. Genau das halten mir auch meine Kritiker vor. Dass ich als ehemaliger Weltklassefußballer kein Weltklassetrainer bin", wird Krankl zitiert.

Zu Deutschland-Spiel: "Naja, ehrlich g'sagt: hoch wer' ma's ned g'winnen"
Aber was sei das schon ein Weltklassetrainer? "Wenn ich jetzt bei Barca, Arsenal oder Chelsea wäre, die mich nicht nehmen würden, aber mit diesen Mannschaften könnte ich auch Erfolg haben. Binnen sechs Monaten würde ich als einer der besten Trainer Europas gelten. Außer ich bin ein ganzer Trottel, der ich aber nicht bin."

Auf die Feststellung des Interviewers, Österreich müsse sich im bevorstehenden Länderspiel anstrengen und Deutschland wegfegen, antwortete Krankl in urigem Wienerisch und schmunzelnd: "Naja, ehrlich g'sagt: hoch wer' ma's ned g'winnen."
(apa)

9.8.2004 11:38