Sonntag, 15. August 2004

Bush verkündet Abzug von Soldaten
aus Europa und Asien: Etwa 70.000 Mann!

  • Zwei Divisionen werden aus Deutschland abgezogen
  • PLUS: Reaktionen auf die Entscheidung von Bush

US-Präsident George W. Bush hat den Abzug von 60.000 bis 70.000 Soldaten aus Europa und Asien im Laufe der kommenden zehn Jahre bekannt gegeben. Stattdessen sollten neuere und mobilere Einheiten geschaffen werden, sagte Bush vor Veteranen in Cincinnati (Ohio). Betroffen ist von dem neuen Plan vor allem Deutschland. Es ist die größte US-Truppenverlagerung seit Ende des Kalten Krieges.

USA ziehen zwei Heeresdivisionen aus Deutschland ab. Der Abzug der Divisionen aus Wiesbaden und Würzburg werde nicht vor 2006 beginnen, hieß es weiter. US-Präsident George W. Bush hatte kurz zuvor in einer Rede im US-Staat Ohio die größte Umstrukturierung der Streitkräfte seit dem Ende des Kalten Krieges angekündigt. Betroffen sind bis zu 70.000 in Westeuropa und Asien stationierte Soldaten, von denen ein Großteil in die USA zurückkehren soll. Einige Einheiten sollen aber auch nach Osteuropa verlegt werden.

Einzelheiten nannte der Präsident selbst nicht. Er erklärte jedoch, nach dem Ende des Kalten Kriegs müssten sich die USA auf eine neue Bedrohungslage einstellen. "Die Welt hat sich sehr verändert, und unsere Streitkräfte müssen sich mit ihr verändern, damit wir unsere Stärke effektiver einsetzen und Freiheit und Frieden verbreiten können", sagte der Präsident bei einer Versammlung des Verbands der Kriegsveteranen in Cincinnati.

Die US-Streitkräfte seien mittlerweile in der Lage, kurzfristig überall auf der Welt zuzuschlagen. "Dennoch sind Amerikas Streitkräfte jahrzehntelang dort geblieben, wo die Kriege des letzten Jahrhunderts endeten - in Europa und Asien." Eine Rückkehr in die USA würde auch Erleichterungen für die Familien der Soldaten und für den amerikanischen Steuerzahler bedeuten, sagte Bush.

Das Pentagon hatte die deutsche Regierung bereits vor Monaten über den möglichen Abzug von zwei Heeresdivisionen informiert. Zudem könnte nach Informationen aus US-Militärkreisen das bislang in Spangdahlem in der Eifel stationierte 52. US-Jagdgeschwader nach Incirlik in der Türkei verlegt werden.

Eine Standortschließung würde Würzburg sehr stark treffen, sagte am Montagnachmittag der Sprecher der Stadt, Ole Kruse. Die amerikanischen Truppen stellten einen ganz erheblichen Wirtschaftsfaktor dar.

Der Luftwaffenstützpunkt Ramstein soll nach inoffiziellen Informationen erhalten bleiben, ebenso das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl und der Standort Grafenwöhr. Insgesamt sind in Deutschland rund 80.000 US-Militärbedienstete stationiert, hinzu kommen 94.000 Familienangehörige.

Abgesehen von den Truppen in Afghanistan und dem Irak sind rund 200.000 US-Soldaten im Ausland stationiert. Die Umstrukturierung betrifft nach Informationen aus dem Pentagon neben 70.000 Soldaten rund 100.000 Familienangehörige und Zivilangestellte. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte am Sonntag nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Iwanow, Washington verhandele mit einigen Staaten der früheren Sowjetunion über die Stationierung von US-Truppen.(apa/red)

15.8.2004 22:05