Donnerstag, 12. August 2004

Keine Entspannung im Irak: Al Sadr fordert von Anhängern Kampf bis zum Tod

  • Zuvor wurde al Sadr freies Geleit angeboten. Powell: US-Armee hat begonnen Najaf "auszuquetschen"

Der von US-Truppen in der irakischen Rebellenhochburg Najaf eingekreiste Schiitenführer Muktada al Sadr hat sich kompromisslos gezeigt und seine Anhänger am Freitag zum erbitterten Widerstand bis zum Tod aufgefordert. US-Außenminister Powell kündigte unterdessen an, die US-Streitkräfte hätten begonnen, Najaf "auszuquetschen", um die Aufständischen dort außer Gefecht zu setzen.

"Ich werde diese heilige Stadt nicht verlassen", zitierte ein Sprecher den radikalen Prediger am Freitag. Seinen Anhängern habe Al Sadr in der Imam-Ali-Moschee zugerufen: "Wir werden hier bleiben, unsere heiligen Stätten verteidigen bis zum Sieg oder zum Märtyrertod".

Die mit den USA zusammenarbeitende irakische Übergangsregierung nannte Al Sadr diktatorisch und forderte deren Rücktritt. "Saddam Hussein wurde durch eine noch schlimmere Regierung ersetzt." Tausende Iraker demonstrierten in Schiiten-Hochburgen des Landes gegen die US-geführte Militäroffensive in Najaf.

Am frühen Abend hatte die Übergangsregierung erklärt, der Prediger verhandle über einen Abzug seiner Miliz aus der den Schiiten heiligen Stadt. Ein Sprecher Al Sadrs hatte gesagt, der Milizenführer sei bereit, Najaf zu verlassen, wenn auch die US-Armee abziehe und die religiösen Führer des Landes sich darauf einigten, die Überwachung der heiligen Stätten zu übernehmen.

UNO-Generalsekretär Annan hat die Aufnahme von Verhandlungen über ein Ende der schweren bewaffneten Auseinandersetzungen um Najaf begrüßt. Gewalt dürfe immer nur das allerletzte Mittel sein, ließ Annan am Freitag über einen Sprecher erklären. Nach tagelangen Kämpfen in Najaf hatte die irakische Übergangsregierung Al Sadr am Freitag freies Geleit nach Kuwait oder in die Kurdengebiete im Nordirak angeboten. (apa/red)

12.8.2004 07:10