Mittwoch, 11. August 2004

Lage eskaliert: Schiiten-Aufstand weitet sich über den gesamten Südirak aus

  • US-Armee plant in Najaf Offensive gegen Milizen
  • Radikaler Prediger al Sadr ruft zum Weiterkämpfen auf

Der Aufstand der Schiiten-Milizen des radikalen Predigers Muktada al Sadr hat sich über den ganzen Südirak ausgeweitet. Britische Truppen gingen gegen Milizen in Basra, Amara, Nassiriya, Samawa und Diwaniya vor, nachdem sich Sadrs "Mahdi- Armee" bereits seit einer Woche in der Pilgerstadt Najaf mit US-Truppen Kämpfe liefert. Das US-Militär in Najaf traf am Mittwoch nach eigenen Angaben letzte Vorkehrungen für eine Offensive gegen die schiitische Miliz. Unterdessen kehrte der per Haftbefehl gesuchte frühere Exilpolitiker und US-Verbündete Ahmed Chalabi nach Bagdad zurück.

Sadr rief seine Truppe dazu auf, auch dann weiterzukämpfen, wenn er selbst gefangen genommen oder getötet werde. "Kämpft weiter, selbst wenn ihr mich als Gefangenen oder als Märtyrer seht", ließ er in einer Erklärung verbreiten.

Ein britischer Militärsprecher in Basra sagte, die Behörden hätten in den südlichen irakischen Provinzen Verstärkung angefordert. Zu den heftigsten Kämpfen kam es in Amara. Laut Gesundheitsministerium in Bagdad wurden hier 15 Iraker getötet und 78 verletzt. In Basra starben bei bewaffneten Auseinandersetzungen vier Menschen, in Diwaniya drei.

Gefechte in Najaf seit einer Woche
In der Pilgerstadt Najaf dauerten die Gefechte den siebten Tag in Folge an. US-Panzer drangen erneut auf den schiitischen Friedhof vor, auf dem sich Milizionäre verschanzt haben. Ein örtlicher Führer erklärte, das mehrere Quadratkilometer große Gräberfeld, das den Schiiten heilig ist, werde weiter von seinen Kämpfern kontrolliert.

US-Militär: "Werden diesen Kampf beenden"
Das US-Militär teilte unterdessen mit, irakische und amerikanische Truppen bereiteten sich darauf vor, "diesen Kampf, den Sadrs Milizen begonnen haben, zu beenden." Augenzeugen in Najaf berichteten von neuen US-Angriffen auf Stellungen der Milizionäre. Etwa 80 Prozent der Bewohner des Altstadtkerns hätten der Aufforderung des US-Militärs vom Vortag Folge geleistet, ihre Wohnungen zu verlassen, um bei einer Offensive nicht zwischen die Fronten zu geraten. Bei den Kämpfen kamen bis Mittwochabend in 24 Stunden zwölf Menschen ums Leben, 27 wurden verwundet.

Der Vize-Präsident der irakischen Übergangsregierung, Ibrahim Jaafari, verlangte den Abzug aller US-Truppen aus Najaf sowie den der Sadr-Milizen. Die Anwesenheit der regulären irakischen Sicherheitskräfte reiche aus, meinte er.

Chalabi wieder in Bagdad
In Washington erklärte Tamara Chalabi, ihr nach Bagdad zurückgekehrter Vater Ahmed wolle sich dem Vorwurf der Geldfälschung stellen. Ein Richter im Irak hatte am Samstag Haftbefehl gegen Chalabi, ein einstiges Mitglied des Provisorischen Regierungsrats, erlassen. Tamara Chalabi sagte, ihr Vater habe bei einem US-Bundesgericht in Washington im Zusammenhang mit der Schließung einer von ihm gegründeten Bank in Jordanien vor etwa 15 Jahren Sachdensersatzklage gegen die jordanische Regierung eingereicht.

(apa/red)

11.8.2004 22:57