Mittwoch, 11. August 2004

Schweres Zugunglück in der Türkei:
Zwei Züge stoßen nahe Istanbul zusammen

  • Mindestens acht Tote, weitere Opfer vermutet
  • Zugführer missachtete offenbar das Rotlicht

Nach dem zweiten schweren Zugunglück in der Türkei in nur drei Wochen wächst die Kritik an der mangelnden Sicherheit der veralteten Bahn-Technik. Bei der jüngsten Tragödie gab es acht Tote und 88 Verletzte. Mit 82,5 Stundenkilometern war der Hauptstadtexpress Nummer 11001 aus Ankara wenige Kilometer vor der Stadtgrenze von Istanbul frontal mit einem Regionalzug zusammengeprallt.

Die Wucht des Aufpralls "verschweißte" die Lokomotiven geradezu miteinander. Erst Stunden später gelang es den Rettern, die letzten Eingeklemmten zu bergen.

Mangelnde technische Ausrüstung der Züge und schlecht gewartete Signalanlagen waren am Tag nach dem Zusammenstoß die beherrschenden Themen in türkischen Medien. Regierung und staatliche Bahngesellschaft beharrten jedoch darauf, dass menschliches Versagen diesmal alleinige Unglücksursache gewesen sei.

Verkehrsminister Binali Yildirim war bereits mit dem ersten Unfall vom 22. Juli, bei dem es 38 Tote und mehr als 80 Verletzte gab, politisch unter Druck geraten. Für ihn gibt es an der Ursache des neuen Unglücks nichts zu deuteln: Der Zugführer des Hauptstadtexpresses habe ein Haltesignal nicht beachtet. Seinen Rücktritt schloss er erneut aus.

Mitarbeiter der Bahn wollten sich allerdings zunächst nicht zufrieden geben mit den offiziellen Erklärungen. Auf Ungereimtheiten machte der verletzte Zugführer des Expresszuges aus Ankara noch vom Krankenbett aus aufmerksam. Das Signal habe auf Grün gestanden, sei aber auf Rot gesprungen, gerade als der Zug die Stelle passierte. (apa)

11.8.2004 16:19