Dienstag, 10. August 2004

Porter Goss wird CIA-Chef: Ex-Spion soll den Geheimdienst auf Vordermann bringen

  • 65-jähriger republikanischer Abgeordneter soll sich stärker auf Spione denn Informationstechnologie stützen

Der 65-jährige Porter Goss soll den angeschlagenen Auslandgeheimdienst CIA wieder auf Vordermann bringen. Der republikanische Abgeordnete aus Florida war selbst Geheimagent und wird sich im Kampf gegen den Terror verstärkt auf die eigenen Spione denn auf Informationstechnologie stützen.

"Das Wesentliche unserer geheimdienstlichen Möglichkeiten sind die Leute", sagte Goss bei seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit Bush im Weißen Haus. Der Präsident fügte hinzu, Goss kenne die CIA von innen und außen und könne ihr Agentennetzwerk stärken. "Er ist für die Aufgabe gut gerüstet. Er ist der richtige Mann, um die Behörde in diesem kritischen Moment in der Geschichte unserer Nation zu unterstützen und zu führen."

Der 65 Jahre alte Politiker stammt aus Connecticut und machte 1960 einen Abschluss in Yale. Im Anschluss begann seine heimliche Karriere, zunächst zwei Jahre im Militärgeheimdienst. Schließlich landete er in der bekanntesten CIA-Abteilung, dem Direktorium für Operationen. Als er sich der Politik zuwandte, benötigte er eine Sondergenehmigung um zu erklären, dass er für rund ein Jahrzehnt für "die Behörde" gearbeitet hat - angeblich in Europa und Lateinamerika. Die Details liegen noch im Dunkeln, er selbst sagte der Zeitung "Washington Post" lediglich, er sei während der Kuba-Krise 1962 in Miami eingesetzt gewesen.

Nach einer fast tödlich endenden Staphylokokken-Infektion quittierte er den Dienst bei der CIA und ließ sich 1970 in Florida nieder. Nach der Genesung begann Goss, sich zunächst auf lokaler Ebene politisch zu engagieren. 1988 gelang ihm der Sprung ins Repräsentantenhaus. Seit acht Jahren leitete er nun den Geheimdienstausschuss.

Eigentlich sollte im Jahr 2000 seine letzte Amtszeit beginnen, doch nach den Anschlägen am 11. September 2001 entschied er sich zum Weitermachen; auf ausdrücklichen Wunsch von Bush. Zusammen mit dem demokratischen Senator Bob Graham, dem Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des Senats, leitete er eine erste Kongress-Untersuchung der Anschläge. Darin kritisierten Goss und Graham die Geheimdienste für zahlreiche Fehleinschätzungen vor den Attacken, so dass diese nicht verhindert werden konnten.

Goss gehörte seit langem zu den Favoriten für die Nachfolge von George Tenet, der Anfang Juni unter dem Eindruck mehrerer Pannen seinen Rücktritt erklärt hatte. Der 65-Jährige übernimmt den angeschlagenen Auslandsgeheimdienst in einer kritischen Zeit: Terrorexperten warnten wiederholt vor Al-Kaida-Anschlägen in den USA im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl im November.

Seine Nominierung steht indes im Zusammenhang mit einer anderen Entscheidung Bushs: Der Präsident hat sich für die Forderung der 9/11-Kommission ausgesprochen, den Posten eines Geheimdienstkoordinators mit Kabinettsrang zu schaffen. Dieser soll die CIA und mehr als ein Dutzend weitere Behörden kontrollieren. Wegen seiner ausgewiesenen Erfahrungen sowohl als Agent als auch als Politiker wurde Goss in Washington auch als Kandidat für den Kabinettsposten gehandelt. Als CIA-Chef wird er nun vermutlich Kompetenzen an einen neuen Geheimdienstkoordinator abtreten müssen.(apa/red)


10.8.2004 16:32