Dienstag, 10. August 2004

Las Vegas: Terrorwarnung vertuscht wegen möglicher Folgen für Tourismus?

  • Videos mit Casinos als mögliche Terror-Ziele
  • Bürgermeister befürchtet negative Auswirkungen

Aus Rücksicht auf den Tourismus haben die Behörden in Las Vegas Hinweise auf mögliche Anschläge nicht öffentlich gemacht. Dabei ging es nach Informationen der Nachrichtenagentur AP um zwei Videos. Diese enthielten Hinweise auf Pläne des Terrornetzwerks Al Kaida, mehrere Casino-Hotels in Las Vegas zu attackieren.

Nur zwei der vom FBI geladenen Polizeibeamten und Hotelmanager hätten sich die Bänder näher angesehen, sagte der stellvertretende Staatsanwalt Richard Convertino. Mitarbeiter der Spielkasinos äußerten die Sorge vor juristischen Folgen im Fall eines tatsächlichen Anschlags, wie aus internen Aktenprotokollen des US-Justizministeriums hervorgeht.

In den Dokumenten wird ein Bundesbeamter in Las Vegas mit der Aussage zitiert, Bürgermeister Oscar Goodman befürchte negative Folgen für den Tourismus, falls die Warnungen veröffentlicht würden. Goodman erklärte jedoch am Montag, er habe die Aufnahmen nie gesehen und erst durch die Medien von ihrer Existenz erfahren. Hätte er davon gewusst, hätte er die Öffentlichkeit informiert. Auch Manager der Hotels wiesen die Vorwürfe zurück.

Die beiden Videos aus Detroit und aus Spanien zeigen drei große Hotels in Las Vegas: das MGM Grand, das Excalibur sowie das New York, New York. Das Band aus Spanien soll im Jahr 2002 gefunden worden sein, es enthält demnach eine Anspielung auf den Al-Kaida-Führer Khalid Sheikh Mohammed, der vermutlich maßgeblich an der Planung der Anschläge vom 11. September 2001 beteiligt war.

Das US-Ministerium für Heimatschutz teilte am Montag mit, es gebe keine bekannte unmittelbare Bedrohung für Las Vegas, obwohl die Stadt im US-Bundesstaat Nevada als mögliches Ziel gelte. Die Selbstmordattentäter um Mohammed Atta hatten vor ihren Anschlägen auf New York und Washington auch Las Vegas besucht. (apa)


10.8.2004 10:36