Unmut über Lafontaine in SPD wächst: Aber kein Ausschlussverfahren angestrebt!
- Jüttner: "Er wird als einsamer Mann in der Wüste enden"
Bei den deutschen Sozialdemokraten wächst der Unmut über den ehemaligen Partei-Vorsitzenden Oskar Lafontaine. Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Jüttner bekräftigte in der "Berliner Zeitung", Lafontaine habe längst jeglichen Führungsanspruch verloren. "Er wird als einsamer Mann in der Wüste enden."
Ähnlich äußerte sich der SPD-Landeschef von Sachsen-Anhalt, Püchel. Es müsse kein Ausschlussverfahren gegen Lafontaine angestrebt werden: "Wenn er in eine andere Partei eintritt, dann erledigt sich das Problem von alleine."
Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ging auf Distanz zu Lafontaine. Es sei nicht seriös, wie Lafontaine seit seinem Abgang agiere - "auch wenn wir in bestimmten Positionen übereinstimmen", sagte Verdi-Sprecher Reutter. Die Kritik der Gewerkschaft an der Agenda 2010 "bedeutet nicht, dass wir uns die Regierung oder die Partei wegwünschen".
Der Vorsitzende der einflussreichen nordrhein-westfälischen SPD- Landesgruppe im Bundestag, Kemper, sagte der "Rheinischen Post": "Ich sehe nur die Alternative: Entweder dreht Oskar Lafontaine bei oder er muss gehen." Er habe lange zu Lafontaines Anhängern gehört. "Aber was er jetzt macht, das geht einfach nicht. Wenn er bei seiner Haltung bleibt und ein Linksbündnis unterstützt, dann muss man ihn rausschmeißen."
Lafontaine, der 1999 als Parteichef zurückgetreten und als Finanzminister aus der Regierung ausgeschieden war, hatte im "Spiegel" eine Zusammenarbeit mit einer neuen Linksgruppierung angedroht, falls die SPD ihre Sozialpolitik nicht ändere. Aus Lafontaines Sicht steht Schröder "für den größten Sozialabbau seit Gründung der Bundesrepublik und eine große Truppenpräsenz im Ausland". Diese Politik habe der SPD "die Seele geraubt". (apa)
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