Freitag, 13. August 2004

Heftige Unwetter über Österreich: Sturmböen fordern mehrere Verletzte

  • Zelt wurde in Vorarlberg aus der Verankerung gerissen
  • Salzburg: Kaiserbuche bei Anthering umgeknickt

Ein Wettersturz sorgte bis in weiten Teilen Österreichs für heftige Gewitter mit Blitzen, kräftigen Niederschlägen und einem Sturm, der mitunter 170 km/h erreichte: Prominentestes "Opfer" war die 225 Jahre alte Kaiserbuche auf dem Haunsberg bei Nussdorf im Salzburger Flachgau, die auf die daneben stehende Kapelle kippte und diese beschädigte. Der Baum war 1779 nach einem Besuch von Kaiser Franz Joseph II. gepflanzt worden, der von dieser Stelle aus das Innviertel hatte überblicken wollen, das Österreich damals von Bayern erhalten hatte.

Ebenfalls auf dem Haunsberg deckte der Gewittersturm bei einem Bauern etwa 400 Quadratmeter Dach ab. Die Feuerwehr bedeckte das Gebäude provisorisch mit großen Planen, damit das gelagerte Heu nicht zur Gänze vernichtet wurde. Im ganz Salzburg waren wegen des Sturms mehr als 500 Feuerwehrleute im Einsatz.

In Wien stürzte ein haushoher, denkmalgeschützter Baum in Wien-Hietzing, Höhe Lainzerstraße 33, um, beschädigte drei geparkte Pkw und blockierte die Straßenbahn-Linie 60. Von halb neun bis in den Nachmittag hinein wurde die 60er-Tram zwischen Rodaun und dem Bahnhof Speising kurz geführt. Die Wiener Feuerwehr, die rund 100 Einsätze wegen gefällter Bäume, umherfliegender Dachziegel oder umgestürzter Verkehrszeichen hatte, wurde am Freitag in "erhöhte Einsatzbereitschaft" versetzt. Den umgestürzten Baum in Hietzing musste aber eine eigens angeforderte Spezialfirma bergen. Der Sturm war in der Nacht mit Spitzen bis zu 103 km/h durch die Bundeshauptstadt gefegt.

Aber auch Menschen kamen zu Schaden: In Vorarlberg wurden im Strandbad Lochau (Bezirk Bregenz) 13 Personen verletzt. Nach Angaben der Sicherheitsdirektion hatte eine Sturmböe ein Zelt aus der Verankerung gerissen und auf die Gleisanlage und die Oberleitung der ÖBB geweht. Dabei wurden einige Personen, die im Zelt Schutz gesucht hatten, von umherfliegenden Eisenteilen getroffen. Die 13 Badegäste erlitten Rissquetschwunden, Knochenbrüche und Kopfverletzungen. Sie wurden von der Rettung ins Landeskrankenhaus Bregenz eingeliefert.

Auch bei heftigen Unwettern im Tiroler Unterland gab es eine Verletzte: Im Stadtgebiet von Kufstein stürzte ein Kaminteil auf das Dach eines Pkw. Dessen Insassin erlitt dabei leichte Blessuren. Wegen umgestürzter Bäume kam es laut ÖAMTC in beiden Fahrtrichtungen zu Behinderungen auf der Inntal-Autobahn zwischen Kufstein-Nord und Schwaz. Zahlreiche Bundesstraßen und Landstraßen wurden verlegt und mussten teilweise gesperrt werden. Und am Reintaler See in der Gemeinde Kramsach (Bezirk Kufstein) wurde das Dach eines Kiosk 40 Meter weit durch die Luft gewirbelt und kam auf einer menschenleeren Liegewiese zu Fall.

Auch in Niederösterreich hielt der Sturm die Feuerwehren auf Trab
- insgesamt wurden 70 Einsätze registriert. Besonders betroffen waren die Bezirke Mödling, Melk, Amstetten, Wien-Umgebung, St. Pölten und Baden. Zahlreiche umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste blockierten die Straßen. (apa/red)

13.8.2004 08:33