Ausgeraucht:: Österreichs Speiselokale sollen "rauchfreie Zonen" bekommen
- Bis Ende des Jahres in 30 Prozent der Restaurants
- Lebensmittelkennzeichnung auf Speisekarten untragbar
Für Raucher in Österreich brechen ungemütliche Zeiten an - zumindest wenn es um die Zigarette nach einer Mahlzeit in einem Speiselokal geht. Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) hat sich mit dem Fachverband Gastronomie der Wirtschaftskammer Österreich darauf geeinigt, eine freiwillige Selbstverpflichtung einzuführen.
Bis Ende des Jahres sollen 30 Prozent der insgesamt 26.000 Speiselokale "rauchfreie Zonen" eingeführt haben, bis Ende 2006 sogar 90 Prozent, sagte Fachgruppen-Obmann Helmut Hinterleitner bei einem Pressegespräch in Wien.
Sollte man mit diesem Zeitplan auf Grund mangelnder Kooperationsbereitschaft der Gastronomiebetriebe nicht erfolgreich sein, drohen "Zwangsmaßnahmen im Sinne von gesetzlichen Regelungen", warnte Hinterleitner. Der Fachverband will mit Aufklärung und Beratung auf seine Mitgliedsbetriebe "einwirken", es würden Beschilderungsmaterialien und Leitfäden für bessere Belüftungssysteme entwickelt, so der Obmann.
Ablehnend stehe man hingegen Forderungen gegenüber, Lebensmittelkennzeichnungen auf Speisekarten zu drucken. "Der unerträgliche bürokratische Aufwand und die immensen haftungsrechtlichen Folgen" seien für Gastwirte nicht tragbar, stellte Fachgruppen-Geschäftsführer Thomas Wolf fest.
Betroffen von der Nichtraucher-Regelung, die von "Konsumentenschützern" ins Rollen gebracht wurde, wie ein Vertreter des Ministeriums versicherte, seien rund 26.000 Gasthöfe, Restaurants, Bahnhofgaststätten, Cafe-Restaurants, -Konditoreien und Eisbetriebe. Die Nichtraucherbereiche sollen mindestens 40 Prozent "der für die Verabreichung von Speisen vorgesehenen Sitzplätze" betragen, heißt es.
Eine Studie von marketagent.com im Auftrag des Fachverbands hat ergeben, dass rund die Hälfte von Österreichs Lokal-Gästen und
-Mitarbeitern raucht, ein Drittel fühlt sich durch "verrauchte Luft" gestört, und hier besonders in Speise- und Gourmetlokalen. Nur 5,3 Prozent befürworten jedoch eine gesetzliche Regelung wie in Irland oder Schweden. Mehr als das Rauchen seien Toiletten-Geruch im Lokal (81,4 Prozent) und "mangelnde Sauberkeit der Toiletten" (71,9 Prozent) den Gästen ein Dorn im Auge.
Der Wiener Szenewirt Stefan Gergely kündigte bei dem Pressegespräch an, eines seiner Lokale im "Schlossquadrat" - das "Hofstöckl" - demnächst komplett in eine Nichtraucherzone umwandeln zu wollen. Eine Outdoor-Raucher-Bar sei "fix eingeplant". Wenn das Konzept erfolgreich ist, würden die anderen Lokale folgen, so Gergely. (apa/red)
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