Mittwoch, 11. August 2004

Identifizierung der Opfer nicht möglich: Angehörige nach Bus-Crash eingeflogen

  • 70-Jähriger rammt Bus: 5 Tote, mehrere Schwerverletzte
  • PLUS: Dramatische Bilder des schrecklichen Unfalls!

Die Feststellung der Identität der Opfer des Busunglücks auf der Dürrnberg Landesstraße bei Hallein gestaltete sich schwierig: Rund 30 Beamte der Gendarmerie seien damit beschäftigt, erklärte der Tennengauer Bezirkshauptmann Klaus-Dieter Aigner. Die Touristen, die in unterschiedlichen Quartieren zwischen St. Gilgen und Gmunden untergebracht waren, hatten an einem Tagesausflug durch das Salzkammergut und auf den Obersalzberg teilgenommen. Sie stammen aus Großbritannien, Deutschland (2), Russland (2) und Australien (1). Inzwischen 13 Angehörige von britischen Opfern in Salzburg eingetroffen.

Die Verletzten wurden in insgesamt elf Krankenhäuser gebracht und hatten teilweise keine Dokumente bei sich. Bei den fünf Toten - zwei Männer und drei Frauen - würden DNA-Analysen gemacht, sagte Aigner. Sie stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Großbritannien, da sich die Deutschen und Russen unter den Verletzten befanden. Ergebnisse erwartet Aigner erst am Donnerstag.

Auch aus Rücksicht auf die besorgten Angehörigen werde es vorerst keine Informationen über die Identität der Opfer geben, sagte auch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ). Vertreter der britischen Botschaft in Wien waren in Salzburg, um die Angehörigen der Opfer zu unterstützen.

Angehörige von britischen Opfern in Salzburg eingetroffen
Im Laufe des Mittwochs sind 13 Angehörige von britischen Opfern des Busunglückes am Dürrnberg bei Hallein von Dienstagnachmittag am Airport Salzburg eingetroffen. Zuerst werden ihre Namen und Ausweise überprüft, dann werden die Briten entweder in Hotels oder gleich in die Spitäler weitertransportiert, sagte Flughafensprecher Richard Schano auf Anfrage. Ob sich auch Angehörige der fünf Toten darunter befinden, könne nicht gesagt werden, da es bei der Identifikation der Opfer Schwierigkeiten gebe, erklärte Schano.

Die insgesamt 13 Personen waren mit vier Maschinen aus Großbritannien gekommen. Drei Passagiere kamen in der Früh aus Birmingham, ein weiterer um 14.35 Uhr aus Southampton. Sechs Angehörige kamen mit der Linienmaschine um 14.45 Uhr und drei um 15.45 Uhr mit einer Chartermaschine aus Birmingham.

Überholmanöver kostet fünf Menschenleben
Nach den vorläufigen Ermittlungen war der mit 47 Fahrgästen und einem Reiseleiter voll besetzte Bus, der von einem 38-jährigen Chauffeur aus Eugendorf gelenkt wurde, auf der Dürrnberg Landesstraße in Richtung Hallein unterwegs. Der Lenker des Reisebusses war ausgewichen, nachdem er von einem Kleinbus überholt worden war. Der Kleinbus-Lenker, ein 70-jähriger Mann aus der Stadt Salzburg, hatte während des Überholvorgangs festgestellt, dass ihm ein von einer Frau aus Hallein gelenkter Pkw entgegenkam. Der Fahrer des Reisebusses hatte die Situation ebenfalls bemerkt, abgebremst und war über den rechten Fahrbahnrand geraten, sagte Aigner zum Unfallhergang.

Der Bus habe sich dann mehrfach überschlagen und sei am Dach zum Stillstand geschlagen. Insgesamt neun Personen waren im Bus eingeklemmt worden. Sie seien angegurtet gewesen, sagte Chefinspektor Hubert Kreiseder vom Gendarmerieposten Hallein. "Schon beim Absturz wurden viele Personen aus dem Fahrzeug geschleudert. Sie wurden verletzt und teilweise getötet", erklärte Aigner. Die Lenker der Fahrzeuge erlitten einen Schock. Beim Kleinbus handelt es sich um ein Fahrzeug eines Seniorenheimes der Stadt Salzburg, der Lenker war sei ganzes bisheriges Leben unfallfrei unterwegs.

Verwirrung um die Versicherungssumme
Der Chef des Busunternehmens Christof-Reisen aus St. Wolfgang (OÖ), Stephan Christoforetti, stand noch unter dem Eindruck des Unglücks. Er habe noch gar keine Zeit gehabt, sich auch Gedanken über die wirtschaftlichen Auswirkungen für seinen Betrieb zu machen, aber sollte die Versicherungssumme des Unfallverursachers nicht ausreichen, dann sei er "der Geschnapste", meinte er. Vorerst gelte seine ganze Sorge den Betroffenen, später werde sich aber natürlich die Frage stellen, ob die Deckungssumme reiche. Immerhin sei der Bus noch relativ neuwertig gewesen.

"Fünf Todesopfer und eine Vielzahl von Schwerverletzten ist für unser Land eine betrübliche und bittere Erfahrung", sagte Landesrettungskommandant Gerhard Huber. Die Versorgung der Opfer habe nach Plan funktioniert. Das erste Einsatzfahrzeug sei nach sechs Minuten am Unfallort gewesen, der erste Hubschrauber nach acht Minuten. Insgesamt waren 180 Kräfte des Roten Kreuzes, 15 Notärzte, 152 Mann der Feuerwehr und sieben Rettungshubschrauber am Einsatz beteiligt. Noch in der Nacht wurden die am Unfall beteiligten Fahrzeuge geborgen und sichergestellt.

Im Landeskrankenhaus Salzburg wurden 21 Verletzte versorgt. Ein Teil konnte noch in der Nacht entlassen werden. Zwei Patientinnen befanden sich noch auf der Intensivstation, sagte Unfallchirurg Herbert Resch. Der Zustand der beiden Frauen sei stabil. Sie hatten schwere Brustkorbverletzungen und Rippenbrüche erlitten. (apa/red)

11.8.2004 07:07