Kinderporno-Prozess: Sechs Monate bedingt für verurteilten Ex-Seminaristen
- Priesterschüler hatte am Laptop Kinderporno-Fotos
- Dem 27-Jährigen drohten bis zu zwei Jahren Haft
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Anonym verschickte Fotos lösten Skandal aus
Zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten wurde ein 27-jähriger ehemaliger Alumne des mittlerweile geschlossenen Priesterseminars St. Pölten verurteilt. Ihm konnte der Besitz von rund 1.700 Fotos mit größtenteils kinderpornografischem Inhalt nachgewiesen werden. Der Angeklagte, der keinen Verteidiger hatte, bekannte sich schuldig.
Piotr Z. gab bei der Verhandlung an, die Fotos bereits vor seinem Einzug im Priesterseminar (im September 2003) gelöscht zu haben. Mittels forensischer Software stellten die ermittelnden Beamten aber fest, dass der Beschuldigte die Festplatte mit den Kinderporno-Fotos am 26. Juni - zwei Tage nach der Hausdurchsuchung im Seminar - formatiert hatte. Laut Z. habe jedoch niemand außer ihm von der Existenz der Bilder gewusst.
"Die Abartigkeit der Bilder ist nicht alltäglich", konstatierte die Richterin, die sich einen detaillierten Blick auf die Fotos "ersparen" wollte. "Ich bereue es sehr, dass es eine Zeit gegeben hat, in der ich diese Fotos aus dem Internet heruntergeladen und abgespeichert habe", zeigte sich Z. geständig. Er betonte, dass er die Festplatte gelöscht habe, noch bevor er im September 2003 im Priesterseminar eingezogen sei.
Als einzige Zeugen in der nur rund eine Stunde dauernden Verhandlung waren zwei Kriminalbeamte geladen. Sie hatten mittels "forensischer Software" die gelöschten Dateien wieder sichtbar gemacht. Insgesamt 9.000 Grafikdateien wurden gefunden, 1.700 davon waren pornografischen Inhalts, ein Großteil davon zeigte "pornografische Darstellungen mit unmündigen Personen, die zur sexuellen Betrachtung dienten".
Dem Angeklagten konnte nachgewiesen werden, dass er kinderpornografisches Material auch noch während seines Aufenthaltes in Österreich besessen hat. Die Festplatte hatte Z. in Polen gekauft. Sein Interesse an einschlägigen Fotos kommentierte die Richterin so: "Wenn man im Google 'Loverboy13" oder 'Gayteens' eingibt, sucht man schon etwas bestimmtes." Es sind auch Fragmente von Mails entdeckt worden, mit der der 27-Jährige "Very young Boys" suchte.
Er habe gewusst, dass bereits gelöschte Fotos wieder herstellbar sind, sagte Z., der die Festplatte noch persönlich bei der Exekutive abgeliefert hatte. Danach plagten den ehemaligen Alumnen Schuldgefühle, Scham, Hilflosigkeit. Er sah keinen Sinn mehr im Leben und verübte einen Selbstmordversuch. "Ich habe mein Leben kaputt gemacht und möchte alles wieder in Ordnung bringen - es geht mir vor allem um meine Familie." Die bedingte Haftstrafe wurde auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt. (apa/red)
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