Yaretti-Yachten aus Wien: 50 Tonnen Stahl ab relativ "wohlfeilen" 1,7 Millionen Euro
- Wiener Familienunternehmen plant die Meeres-Liner
- Osteuropa-Markt wird in Sachen Luxus immer wichtiger

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Der Name Yaretti gilt in der Yachting-Szene als Gütesiegel für exklusivste Motoryachten. Was kaum wer weiß: Ein Wiener Familienunternehmen plant und designt die Prestigeobjekte. Längst hat sich weltweit herumgesprochen, dass es hierzulande preisgünstige Luxus-Yachten zu kaufen gibt. Wobei preisgünstig relativ ist: Ab 1,7 Millionen Euro kostet eine der rund fünfzig Tonnen schweren Yarettis.
Terminlich wird es wohl eng, wenn Präsident Nursultan Nazarbayev am 10. September auf Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer in Wien weilt. Man munkelt allerdings, dass der Präsident der Republik Kasachstan alles daransetzt, einen Besuch in der Favoritenstraße 4 unterzubringen. Denn man weiß längst, dass es hier preisgünstige Luxusyachten zu kaufen gibt. Nur in Wien weiß das kaum jemand, weil sich die stolzen Schiffe trotz des konkurrenzlos niedrigen Preises kaum einer leisten kann. Und weil die rund fünfzig Tonnen schweren Yaretti-Yachten verständlicherweise nicht in der Favoritenstraße gefertigt werden.
Ab 1,7 Millionen Euro
Acht der für ihre Wendigkeit bekannten Motoryachten sind in den vergangenen zwei Jahren vom Stapel gelaufen; "fünf weitere werden gerade gebaut", bilanziert Rene Siegl, Juniorchef des Familienunternehmens. Verkaufspreis der Unikate: ab 1,7 Millionen Euro.
Luxus frei Haus
Gewissermaßen serienmäßig ist jede Yaretti komplett ausgestattet und eingerichtet - inklusive Waschmaschine, Mikrowelle, 46-Zoll-Plasma-Fernseher und in Küche und Bädern verlegtem Granit. Aufpreise gibt's erst ab dem zweiten Whirlpool oder vergoldeten Zylinderkopfabdeckungen an den Motoren. Geliefert wird prompt - wobei prompt in Yacht-Kreisen zehn bis maximal zwölf Monate bedeutet. Zum Vergleich: Auf gleichwertige Modelle wartet man sonst zweieinhalb Jahre, und unter 2,4 Millionen Euro geht üblicherweise gar nichts.
Jeder Wunsch wird erfüllt
Am "Made in Taiwan" stößt sich keiner der Käufer, die meist aus Deutschland, Belgien oder einstigen Sowjetrepubliken stammen. Denn gebaut werden die mindestens zwanzig Meter messenden Flitzer schließlich in der Horizon-Werft, der siebtgrößten Werft überhaupt. Die Produktionsstätte gilt global als Gütesiegel für preiswerte Qualität, sportliches Design und als Garant für die Erfüllung jedes noch so exotischen Kundenwunsches. "Derzeit gestalten wir das Interieur eines Boots für einen Hamburger Fabrikanten, dessen Gattin asiatische Koi-Fische züchtet. Sie wünscht auch auf hoher See an ihre Gartenteiche erinnert zu werden", berichtet Firmengründer Walter Siegl. "Kein Problem!" - in alle Fußböden, Spiegel und das bleikristallene Tischservice werden japanische Zierkarpfen graviert.
Die turbulente Geschichte eines Wiener Traditionsunternehmens
Nicht immer gingen die Geschäfte so gut wie heute. Als der Krieg in Kroatien begann, brach Yarettis damaliger Hauptabsatzmarkt an der Adria über Nacht vollständig zusammen. Siegl senior, heute 63, trat vorzeitig seinen Ruhestand an, die Traditionsmarke schien Geschichte. Bis Sohn Rene seine im Alter von 18 Jahren gegründete IT-Firma Vetic am Höhepunkt der Interneteuphorie verkaufte - und nicht wusste, was er mit dem vielen Geld anfangen sollte. Also hob der mittlerweile 24-Jährige das schon auf ewig versenkt geglaubte Familiensilber, reanimierte Yaretti und stieg in großem Stil ins Megayachten-Business ein.
Test-Yacht in Kroatien
Heute liegen die von ihm produzierten Yachten längst nicht nur in der Adria vor Anker. Superreiche leben überall, und Meer und große Seen bedecken schließlich nahezu 71 Prozent der Erdoberfläche. Yaretti-Büros gibt es in Wien, Moskau, Palma de Mallorca, Budapest und Split. Interessenten werden aus aller Welt in die kroatische Marina Frapa eingeflogen, wo ständig eine Yaretti für Test-Turns bereitliegt.
Zweimal 1.000 PS
Dass laut Siegl noch keiner seiner Kunden "nach einem Kredit oder mittelfristigen Finanzierungsmodell gefragt" hätte, verwundert nicht. Den Multimillionären bereiten ja auch die jährlichen Fixkosten von 80.000 Euro - exklusive Treibstoff für die beiden 1.000-PS-MAN-Motoren - offensichtlich kein Kopfzerbrechen. Allein die Spritkosten für eine Stunde Spazierfahrt summieren sich auf süffige 300 Euro.
Krisensichere Käuferschicht
Sorgen um den Absatz braucht sich die Familie Siegl dennoch keine zu machen. Denn mit ihren luxuriösen Schiffen beliefert sie längst eine Käuferschicht, die von wirtschaftlich angespannten Situationen nicht wirklich betroffen ist und nichts mehr liebt, als ihren Reichtum offen zur Schau zu stellen. "Viele unserer Kunden nutzen ihre Yachten nicht nur privat, sondern laden auch Geschäftspartner zu Verhandlungen an Bord", weiß Rene Siegl. Besonders Abnehmern aus ehemaligen Ostblockstaaten ("hier herrscht die größte Nachfrage") könne es gar nicht teuer genug sein.
Wichtiger Ost-Markt
"Goldene Armaturen, seltene Lederarten, geschliffene Gläser und Marmor - im Osten zeigt man gerne, was man hat", erzählt Peter Klement, Osteuropa-Verkäufer bei Yaretti. Auch dass es am Schwarzen Meer, in Städten wie Odessa oder Sewastopol, längst genauso zugehe und aussähe "wie in Dubai", registriert man in Wien-Wieden mit Freude. Es spreche sich jedenfalls herum, "dass wir noch keinen Kunden mit einem unerfüllten Wunsch nachhause geschickt haben". Und sollte Präsident Nazarbayevs dichte Agenda demnächst wirklich einen Besuch bei Yaretti gestatten, dann ist man sich in der Favoritenstraße sicher, auch seinen Ansprüchen gerecht werden zu können. (Format 31/04)
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