Dienstag, 3. August 2004

Nach EU-Erweiterung: Der Ansturm von Ost-Touristen auf Österreich bleibt aus

  • Zuwachsraten von osteuropäischen Urlaubern gering
  • Hoteliers wollen nun mehr "slawophile Hotels" anbieten

Die heurige EU-Erweiterung hat eine merkliche Delle in den Zuwachsraten der mittel- und osteuropäischen Gäste in Wien verursacht: Diese fielen meist deutlich geringer aus als vor dem Beitritt der Staaten. Zum Teil mussten sogar Rückgänge verkraftet werden. Dies sei aber ein "natürlicher Vorgang" und zu erwarten gewesen, meinte Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung.

Traditioneller Weise sei Österreich immer ein sehr nahe liegendes Reiseland für die Osteuropäer gewesen. Nach der Erweiterung "haben sie geschaut, dass sie auch was anderes sehen", beruhigte Schellhorn. Diese Entwicklung sei schließlich verständlich, da bei Osteuropäern besonders das Interesse an Städtereisen angezogen habe - und davon hätte Österreich ja nicht so viele zu bieten.

Mehr "slawophile" Hotels in Österreich notwendig
Bisher habe Österreich durch seine Lage einen Wettbewerbsvorteil gehabt - und der sei nun nicht mehr vorhanden. Notwendig sei nun, "slawophile" Hotels zu bieten, wie vor 20 Jahren die "frankophilen" Hotels zu einem Schub der Gäste aus Frankreich beigetragen hätten. Langfristig gesehen machte sich der ÖHV-Präsident deshalb keine Sorgen, dass die Alpenrepublik und ihr Wintertourismus wieder punkten könnten.

Magere Zuwächse in Wien
In Wien stieg zwar im Mai die Zahl der Nächtigungen aus den Beitrittsländern - allerdings hatten diese in allen Fällen in den Monaten davor deutlich darüber gelegen. So verzeichneten etwa Polen mit 0,5 Prozent (anstatt 19,2 Prozent im April) und Ungarn mit 1,6 Prozent (anstelle von 14,3 Prozent im April) nur magere Zuwächse.

Wiener Werbe-Offensive im Osten
Um den Osteuropäern die österreichische Hauptstadt schmackhaft zu machen, wirbt der Wien-Tourismus seit Ende April speziell in Ungarn, Tschechien und Polen. Unter dem Slogan "Welcome to the EU. Welcome to Vienna" finden in den Hauptstädten Pressekonferenzen, Workshops und Galaabende für die Reiseindustrie statt, zusätzlich wird in Zeitungsbeilagen geworben. (apa/red)

3.8.2004 14:38