Schwere Turbulenz
- Nach Sanierungskurs erneut Gagenstreit bei den Austrian Airlines

Stillstand über den Wolken. Bei der AUA stehen die Zeichen auf Sturm. Das Management ist verstimmt, der Bordbetriebsrat in Streiklaune.
In den Cockpits der Austrian-Airlines-Jets standen die Zeichen zu Wochenbeginn einmal mehr auf Sturm. Der seit nun schon rund zwei Jahren schwelende Konflikt um einen gemeinsamen Kollektivvertrag für die gesamte Gruppe (AUA, Lauda Air, Austrian Arrows) eskalierte nach dem Streik vor knapp einem Jahr neuerlich.
Kampfmaßnahmen. Bei Bordbetriebsratsvize Franz Minhard liegen die Nerven am Montag dieser Woche blank. Gegenüber NEWS kündigte er an, im Fall der Fälle bis an die Grenzen zu gehen: Sollte der Vorstand in der Angelegenheit nicht rasch einlenken, sind wir zu allem bereit. Auch zum Streik. Der Arbeitskampf könne ohne vorherige Ankündigungen sofort aufgenommen werden, so der Betriebsrat. Interne Beschlüsse seien dafür nicht mehr notwendig, den Sanktus vom Bordpersonal hatte der Gewerkschafter bereits in der Tasche. Allfällige Konsequenzen, so Minhard trotzig, hätte ausschließlich der Vorstand zu verantworten.
Ein Streik hat für die heimische Airline fatale Folgen. Neben dem Imageschaden sind auch die direkten Kosten enorm. Ein einziger Streiktag kostet die AUA bis zu zwei Millionen Euro.
AUA startete durch. Turbulenzen kämen der AUA-Gruppe derzeit höchst ungelegen. Denn der österreichische Luftfahrtkonzern gewann zuletzt deutlich an Boden. Dank deutlich höherer Passagierzahlen (plus 15 Prozent im ersten Halbjahr) und einer spürbaren Reduktion der Betriebskosten sind die Erträge gestiegen. Der Verfall der Einnahmen bei den Tickets die AUA muss sich mit Kampfpreisen gegen Billig-Airlines wehren konnte mehr als wettgemacht werden. Analysten gehen jedenfalls davon aus, dass das Ertragsziel von 50 Millionen Euro heuer erreicht werden kann. Freilich nur dann, wenn es ab sofort keine gravierenden Zwischenfälle gibt.
Partnersuche. Nicht wirklich förderlich ist der schwere Gegenwind auch für die AUA-Expansionspläne. Der heimische Carrier prüft derzeit Beteiligungen an der staatlichen ungarischen Fluglinie Malev und der Air Bulgaria, um die Marktführerschaft im Osten auszubauen. Der Einstieg bei diesen Airlines ist allerdings nicht ganz billig. Sollte die schwer verschuldete AUA nun neuerlich Schaden erleiden, wird die Finanzierung der Deals noch schwieriger, als sie ohnehin schon ist.
Sørensen gesprächsbereit. Austrian-Boss Vagn Sørensen ist daher aus verständlichen Gründen bemüht, die Sache nicht erneut eskalieren zu lassen: Der neue Bord-Kollektivvertrag bildet und zwar ohne dass irgendeinem Kollegen etwas weggenommen wird eine gute Grundlage für zukünftiges Wachstum. Die offenen Fragen wären auf Basis der Sozialpartnerbeschlüsse durchaus lösbar. Sørensen im NEWS-Gespräch weiter: Meine Bereitschaft dazu ist gegeben. Womit möglicherweise, wie schon beim letzten Streik, Wirtschaftskammerboss Christoph Leitl und ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch die Kastanien aus dem Feuer holen müssen.
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