Mittwoch, 4. August 2004

Die Beichte: Ein Priesterschüler packt aus

  • Orgien, Saufgelage, Exzesse im Krenn-Reich

Exklusiv: Ein Priester-Kandidat klagt an: Was hinter den Mauern des Seminars wirklich geschah.
Krenns Ablöse fix: Noch im Sommer wird er „aus gesundheitlichen Gründen“ abtreten.
Mord oder Freitod? - Das Tagebuch des toten Seminaristen: „Ich war auf der Flucht …“

Die Nächstenliebe reichte unter die Gürtellinie. Selbst der Bruderkuss erlangte im St. Pöltner Priesterseminar eine tief gehende Bedeutung. Das gelbe Haus in der Wiener Straße 38 war eine Dependance von Sodom und Gomorrha. „Ich lebte in einem Alumnat, wo Exzesse, Orgien und Saufgelage keine Seltenheit waren. Es gab eine homosexuelle Seilschaft, an deren Spitze der Regens stand. Das Klima war geprägt von Eifersucht, Intrigen und Spannungen.“

Ein Priesterschüler spricht. Acht Monate lang war Johann Z. (Name von der Redaktion geändert, Anm.) Alumne in Bischof Kurt Krenns klerikaler Kaderschmiede. Für NEWS erstellt der Theologe nun erstmals eine Chronik des moralischen Untergangs und berichtet, was hinter den Mauern des Seminars tatsächlich geschah.

Am 28. Mai 2004 – kurz bevor einer der größten Skandale in der heimischen Kirchengeschichte platzte – musste Johann Z. aus St. Pölten weichen: „Weil ich nicht länger schweigen wollte. Ich habe Bischof Krenn über die Liebschaften unter den Priesterschülern aufgeklärt. Doch anstatt in diesem Sündenpfuhl rigoros aufzuräumen, wollte er mich einfach mundtot machen.“

Zweieinhalb Wochen später entschloss sich der tiefgläubige Mann zu einer Aussage bei der Polizei – und lieferte wertvolle Informationen über so manchen sündigen Bruder.

Kriminalfall Kinderpornos. Der Rest ist bekannt: Sechs Computerfestplatten wurden bei der Hausdurchsuchung im Priesterseminar beschlagnahmt, die Kriminalisten fanden Hunderte digitale Fotos kinderpornografischen Inhalts. Acht Alumnen sollen im Internet regelmäßig einschlägige Seiten abgerufen haben, der Hauptverdächtige H. G., ein 27-jähriger Pole, befindet sich zurzeit in einer psychiatrischen Klinik. Angeblich wegen Suizidgefahr. Neben dem Ausschluss aus dem Seminar erwartet ihn ein Strafverfahren.

Die Abrechnung von Johann Z. zeugt von einer verkehrten Welt: Moralprediger als Sittenstrolche, fromme Seminaristen als hemmungslose Lustknaben und zölibatäre Würdenträger als scharfe „Schwestern“ – im Namen der Hose. Großer Erklärungsnotstand also für Bischof Kurt Krenn, dessen Abgang besiegelt ist. Der Oberhirte wusste seit langem über die libidinösen Ausschweifungen in seinem Seminar Bescheid.

„Insel der Seligen“. Zurück zur Chronik der Sünde: Als Johann Z. im Oktober 2003 ins Seminar eintrat, wähnte er sich zunächst auf einer Insel der Seligen: „Vor allem Regens Ulrich Küchl habe ich abgöttisch verehrt. Ich dachte mir: so ein kultivierter, feinsinniger Mann von Welt …“

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Krenn: Ablöse noch in diesem Sommer
PLUS: Das geheime Tagebuch des Alumnen

4.8.2004 15:16