Mittwoch, 4. August 2004

Kommt nun die Grasser-Partei?

  • Wie Ex-FPler, Wirtschaft und ÖVP an einer neuen Partei und einem neuen Koalitionspartner basteln

Wunschbaby: Grasser und Riess sollen als Spitzenkandidaten einer „wirtschaftsliberalen“ Partei bei der Nationalratswahl antreten.

Er freue sich, gerade in seinem schwierigsten politischen Jahr „die Frau fürs Leben“ gefunden zu haben, erzählte Finanzminister Karl-Heinz Grasser vergangenen Samstag bei seiner offiziellen Verlobungsfeier in Wien. Der „Frau fürs Leben“ könnte bald die „Partei fürs Leben“ folgen.

Die neue Grasser-Partei. Seit einigen Wochen zieht eine kleine Gruppe ehemaliger Politiker hinter den Kulissen die Fäden, um Grasser eine neue Rolle in der Politik zu verschaffen. Ex-FP-Generalsekretär Peter Westenthaler, der vor 16 Monaten die FPÖ mit bösen Erinnerungen verlassen musste, strebt zurück ins Rampenlicht der Politik. Zu diesem Zweck hat sich der Fußballbundesligavorstand, dort nicht überall geschätzt, in den vergangenen Wochen immer wieder mit „Ehemaligen“ getroffen: mit Ex-FP-Chefin Susanne Riess-Passer, derzeit Wüstenrot-Direktorin, mit Finanzminister Grasser, mit Ex-FP-Generalsekretär Walter Meischberger und last, but not least mit dem ehemaligen blauen Klubobmann und Haider-Intimgegner Norbert Gugerbauer, Westenthalers erstem Chef in der Politik.

„Brauchen Koalitionspartner.“ Sie alle sollen überredet werden, bei der nächsten Nationalratswahl für eine neue Partei „Liste 5 – die Unabhängigen“ zu kandidieren. Besonders wichtig sind Westenthaler der einstige blaue Sonnyboy Grasser und Exvizekanzlerin Riess-Passer. Nicht nur ihm. Ein ÖVP-Mann plaudert im NEWS-Gespräch bereits offen aus der Schule: „Wir brauchen einen neuen
Koalitionpartner nach der nächsten Wahl. Die FPÖ hat sich selbst erledigt, die Grünen wären ein zu unsicherer Partner, und die SPÖ würde zu viel Macht wollen. Eine neue Partei rund um Grasser und Riess-Passer wäre ideal.“ Öl auf Jörg Haiders Feuer, der via NEWS (siehe Seite 20) mutmaßt, dass just Kanzler Schüssel selbst hinter dieser Parteigründung stehen würde. Schüssel ist schließlich Grassers letzter Mentor, der den Ex-„Mister Nulldefizit“ selbst gegen ÖVP-interne Revolten immer wieder stützt. Und mit Riess-Passer verbindet Schüssel heute mehr denn je politische Freundschaft: Die beiden ehemaligen Regierungsspitzen treffen einander regelmäßig.

Grassers Rolle. Grasser selbst schließt derzeit naturgemäß eine Rückkehr in eine offizielle Parteifunktion aus. Er habe bereits als FP-Generalsekretär die Mühen der Parteiarbeit kennen gelernt und sehne sich nicht mehr „back to the roots“.

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4.8.2004 12:10