Frische Brise für die Hofburg
- Heinz Fischer widerlegt schon nach wenigen Wochen als Bundespräsident viele Skeptiker und (Ex-)Gegner

·NEWS-Umfrage: 68%
gegen Rentenreform
BP Fischer beliebtester Politiker,12% für Regierung
Erst einen Monat im Amt, ist Heinz Fischer bereits der beliebteste Politiker Österreichs. Schon jetzt prägt sein neuer Amtsstil seine Präsidentschaft. Im Interview: seine Pläne und Wünsche an die Politik.
Nichts ist mehr so, wie es war. Wo früher im Stiegenhaus eine grau-weiß verstaubte Wand die Besucher empfing, hängt jetzt flächenfüllend ein grellbunter Wolfgang Hollegha. Wo zuvor im Arbeitszimmer des Oberhauptes stilvolle rot-weiß-gold-Meublage die rigorosen Auflagen des Denkmalschutzes erfüllte, steht jetzt zusätzlich die Büste Mariannl von Fritz Wotruba. Und hinter diversen Nischen, Türen und Säulen warten, vom Hausherrn vorerst noch diskret versteckt, weitere kühn gepinselte oder geschüttete Gemälde auf ihre Platzierung.
Noch nicht ganz einen Monat ist Heinz Fischer im Amt und schon hat er dem Leopoldinischen Trakt der Hofburg seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Da wird die Presseabteilung renoviert, dort ein neues Speisezimmer eingerichtet. Und überall wartet moderne Kunst darauf, in historischem Ambiente integriert zu werden.
Der Chef ist hyperaktiv quirlig. Er sprüht vor Ideen und möchte am liebsten alles gleichzeitig machen, berichten Mitarbeiter der Präsidentschaftskanzlei vom stürmischen Tatendrang des neuen Hausherrn.
Erste Herausforderung. Auf alles wurde Heinz Fischer von seinem Amtsvorgänger vorbereitet: auf Stärken und Schwächen der beamteten Mitarbeiter, auf die Marotten diverser Staatsoberhäupter und sogar auf die Tücken der amtierenden Bundesregierung. Auf eines aber nicht: den abrupten Tod. Thomas Klestils letales Herzversagen, zwei Tage vor dem Auslaufen seiner zwölfjährigen Amtszeit, stürzte Fischer auch in ein schweres organisatorisches Dilemma: Die Klestil-Administration befand sich gerade im Abgang, die Fischer-Administration war noch nicht installiert. Und beide hatten mit der Organisation eines Staatsbegräbnisses keine Erfahrung. Hofburg alt und Hofburg neu, Innen-, Außenministerium und Kanzleramt mobilisierten schließlich in einmalig friedlich-konstruktiver Aktion den fulminantesten Begräbnisevent, den Österreich mehr noch: ganz Europa je gesehen hat. Und schon in der ersten Woche seiner Amtszeit begrüßte Heinz Fischer an die 300 Vertreter aus aller Welt: gekrönte und gewählte Staatsoberhäupter, Minister, Diplomaten.
Stressiger Amtsbeginn. In der ersten vollen Arbeitswoche besuchte Fischer Ungarn und die Slowakei. Zwei wichtige Nachbarländer in einer Woche. Gleichzeitig werden Besuche in Tschechien (25. August) und in Italien (Oktober) vorbereitet.
Nicht nur: Der israelische Staatspräsident Katzav holt einen schon für die Klestil-Ära angesagten, aber dann nicht realisierten Staatsbesuch nach jetzt bereits werkt das Protokoll der Präsidentschaftskanzlei unter Volldampf am Besuchsprogramm.
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