Einzigartiger Aufstieg: Neue Biographie beleuchtet das Phänomen Frank Stronach!
- Porträt: Vom Werkzeugmacher zum Global Player
- Erfolgsgeheimnis: Gute Laune und Optimismus
Frank Stronachs Erfolgsgeschichte liest sich wie ein US-amerikanisches Märchen. Sein einzigartiger Aufstieg ist vielen noch immer ein Rätsel. "Let's be Frank. Die unglaubliche Geschichte des heimlichen Kaisers von Österreich" heißt eine Biografie, die demnächst in den Handel kommt - laut Norbert Mappes-Niediek, Buchautor und Journalist, "das erste kritische Porträt des einflussreichsten Industriellen Österreichs".
Warum schaffte es ausgerechnet der 1932 in Kleinsemmering, einer Barackensiedlung in der Stadt Weiz, geborene Franz Strohsack zu einem der größten Autozulieferer der Welt? Diese Frage beschäftigt seine Landleute bis heute. "Let's be Frank" leuchtet dieses Phänomen zumindest teilweise aus: einerseits das genial erfolgreiche Unternehmenskonzept des Mannes, der bei der Elin Werkzeugmacher lernte, andererseits bedenkliche Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik.
Stronach selbst, der ein ambivalentes Verhältnis zu seiner Vergangenheit pflegt, hat für diese Biografie nicht gesprochen, und er verweigert auch jetzt einen Kommentar.
Als der Magna-Boss ein Nachwuchskicker war
Für viele eines der größten Rätsel ist Stronachs Fußballbegeisterung, in die er als Sponsor von Austria Wien und anderen Bundesligavereinen schon weit über 20 Millionen Euro investierte - ohne den gewünschten Erfolg damit zu erzielen. Die Wurzeln dafür könnten lange zurückliegen. Anfang der fünfziger Jahre war Stronach ein ambitionierter Kicker ohne Karrierechance: Das lag paradoxerweise auch am unverhofften Aufschwung der Elin: Weil es dort die raren Arbeitsplätze gab, zogen einige Top-Kicker von Wien nach Weiz und verstopften ... die erste Mannschaft. Gute Nachwuchsspieler wie Franz Strohsack mussten mit einem Platz in der Reserve vorlieb nehmen.
Als der junge Mann 1952 zunächst als Maschinist nach Bern ging, spielte er beim erfolgreichen Amateur-Oberligaclub FC Helvetia. Mannschaftskameraden und Fans schlossen ihn ins Herz. Doch 1954, in Kanada gelandet, war's mit dem Fußball vorbei. Erst 45 Jahre später entdeckte er die Liebe zu dem Sport neu. Und weil Stronach immer die ganze Macht haben will, wenn er etwas anpackt, wurde er gleich Bundesligapräsident.
"Wer das Gold hat, macht die Regel"
Biograf Nobert Mappes-Niediek nennt den Unternehmer einen echten Tycoon, jemanden, der den Willen zur Macht zeigt. Taikun war in Japan der Heerführer und damit der heimliche Kaiser. Stronachs eigenes Bonmot von der goldenen Regel - "Wer das Gold hat, macht die Regel" - passt ins Bild.
Nach einer kurzen Phase als Balljunge und Abspüler gründete Frank Stronach 1954 in Toronto seine erste Firma, Accurate Tool and Die, später in Multimatic Investments umbenannt. Der Einwanderer belieferte Autobauer in Detroit und fusionierte 1968 mit der börsennotierten Magna Electronics. Schon nach diesem Deal hätte sich Stronach zur Ruhe setzen können, woran er jedoch nie dachte.
Freund der Arbeiter und einfacher Strukturen
Zu seiner Tüchtigkeit kam Glück. 1965 wurde zwischen Kanada und den USA ein Pakt geschlossen, wonach jedes importierte Auto 60 Prozent kanadische Teile enthalten musste. GM, Ford und Chrysler begannen, immer größere Teile ihrer Produktion an Zulieferer auszulagern. Stronach wusste den ungeheuren Aufschwung seiner Branche geschickt zu nutzen und expandierte unaufhaltsam.
Er selbst nennt als wichtigstes Erfolgsgeheimnis die Magna-Philosophie, die in den Fair-Enterprise-Regeln festgelegt ist. Doch im Wesentlichen geht es dort um die Verteilung des Gewinns: zehn Prozent an die Mitarbeiter, sechs Prozent ans obere Management und zwei Prozent für gemeinnützige Zwecke, von denen derzeit viel in den Fußball fließt.
Doch der Grund für den Erfolg liegt wohl eher in der Geradlinigkeit von Magna. Der frühere Werkzeugmacher hat nie das Produkt aus den Augen verloren. Preis, Qualität, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind die Tugenden, für die Autoproduzenten Magna schätzen. Dazu passen die sehr einfachen und flachen Organisationsstrukturen. Trotz der 75.000 Mitarbeiter hat sich der Konzern eine Art Werkstättencharakter erhalten. Mit wenigen Ausnahmen soll kein Magna-Betrieb über 300 Leute haben. Die Manager genießen weit reichende Freiheiten. Mit Siegfried Wolf oder den Zwillingen Fred und Fritz Gingl holte sich Stronach Steirer, die gleich ticken wie er, bevorzugt Werkzeugmacher.
Kaum eine große Firma hat so viele Arbeiter zu Managern gemacht. Hochgestochener Kauderwelsch ist nicht gefragt. "Bei mir kannst reich werden. Kriegst eine Farm mit Pferden", beschreibt "Let's be Frank" eine Stronach-typische Abwerbung bei Steyr-Daimler-Puch (SDP). 1998 übernahm Magna die SDP komplett. Nach anfänglicher Aufregung sind die Beschäftigten heute hochzufrieden.
Der harte Hund
Wenn einer nicht funktioniert, kann Stronach aber sehr ungemütlich werden, wie der Bruch mit seinem langjährigen Weggefährten Fred Jaekel zeigt: In einer schweren Krise entschloss sich Stronach zu weit gehenden Entlassungen. Jaekel machte nicht mit. Der junge Manager widersprach nicht nur, nein, er schwächelte, um es in den Kategorien der Magna-Führungsetage auszudrücken. Die Widerworte reichten zur fristlosen Entlassung.
Es folgten Versöhnung und endgültiger Bruch. "Wer mit ihm auskommen will", sagt Jaekel, "muss ihn alleine glänzen lassen. Er ist der Held, Konkurenz verträgt er in dieser Beziehung keine."
Ein Licht auf den Tycoon Frank Stronach wirft auch dessen problematische Beziehung zu seinem Sohn Andy, die der Senior gar nicht bestreitet.
Andrew Stronach hatte den Beruf des Vaters zu ergreifen: Werkzeugmacher. Aber er konnte das Leben seines großartigen Vaters nicht einfach nachleben ... Ihm fehlte die Härte, weil er sie nicht brauchte, und er entsprach nicht dem Bild vom Draufgänger, Arbeitstier und Weiberhelden mit der unzerstörbaren guten Laune, das der egomane Vater von sich entwarf.
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