Keine guten Aussichten: Ölpreis steuert auf die 45-Dollar-Marke zu!
- OPEC deutet Anhebung der Fördermenge an
- Yukos-Konten nach Beschlagnahme fast leer
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Der Preis für leichtes Rohöl hat zum ersten Mal auch an der 45-Dollar-Marke gekratzt. Im vorbörslichen New Yorker Handel wurden am Freitagvormittag bis zu 44,77 Dollar (37,11 Euro) für ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude gezahlt, 36 Cent mehr als zum Rekordschluss vom Vortag.
Die wegen der anhaltenden Krise um den größten russischen Ölkonzern Yukos und Zweifeln an den OPEC-Kapazitäten auf Rekordniveau gestiegenen Preise bröckelten im Handelsverlauf dann zunächst wieder leicht ab. Auch die Preise für Benzin und Diesel an Deutschlands Zapfsäulen gaben vereinzelt wieder nach.
Die in New York gehandelte Sorte Light Sweet Crude hatte am Donnerstagabend auf dem bisherigen Allzeithoch von 44,41 Dollar geschlossen. Gegen 15.30 Uhr (MESZ) wurden noch 44,29 Dollar gezahlt. Zwar werde im dritten Quartal vorübergehend mit einem Preisrückgang gerechnet, sagte die Analystin Deborah White von Société Générale. Sollten die weltweite Nachfrage anhalten und möglicherweise Versorgungsausfälle den Markt belasten, könne der Preis für ein Barrel aber kurzfristig auch die 50-Dollar-Marke erreichen. "Niemand weiß das. Aber wenn der Markt so nervös auf relativ kleine Versorgungsprobleme reagiert, dann stellen Sie sich vor, was passiert, wenn wir größere Probleme im Irak haben oder Yukos sogar für Wochen ausfällt."
Auch in London stieg der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent auf ein neues Allzeithoch. Im vorbörslichen elektronischen Handel wurden am Morgen zunächst 41,50 Dollar gezahlt, 38 Cent mehr als beim Rekordschlusskurs am Vortag. Im Handel bröckelte der Preis dann bis 15.30 Uhr (MESZ) auf 40,88 Dollar ab, das waren 24 Cent weniger als am Vortag.
"Fünfzig bis sechzig Dollar pro Barrel sind erstmals seit 1979 denkbar...aber sovieles hat sich seither verändert, dass die Preise möglicherweise sogar stärker steigen müssen um die Nachfrage zu beruhigen", sagte Deborah White, Volkswirtin bei SG Commodities in Paris. Die wilden Ölpreis-Schwankungen seit Jahresbeginn sind vor allem auf die stark gestiegene Nachfrage in den USA und China zurückzuführen. Der Ölverbrauch verzeichnet derzeit den größten Anstieg seit zwanzig Jahren.
OPEC will Kapazitäten ausweiten
Angesichts der anhaltend hohen Ölpreise will die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) ihre kurzfristig mobilisierbaren Förderkapazitäten ausweiten. "Sie sind jetzt mit einem bis 1,5 Millionen Barrel (knapp 159 Liter) sehr gering. Wir werden bis Jahresende 2,5 Millionen Barrel erreichen", sagte der stellvertretende OPEC-Generalsekretär Maizar Rahman in einem vorab veröffentlichten Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Samstag.
Yukos-Konten nahezu leer - Geschäft in Gefahr
Die Konten des russischen Ölkonzerns Yukos sind nach Informationen aus Kreisen des Unternehmens nach der Beschlagnahme von mehreren hundert Mio. Dollar nahezu leer.
"Das bringt unser Geschäft definitiv in Gefahr", hieß es am Freitag aus den Kreisen. Gerichtsvollzieher hätten insgesamt 900 Mio. Dollar zur Begleichung von Steuerschulden des angeschlagenen Konzerns eingezogen. In dieser Summe seien allerdings auch frühere Abbuchungen von 753,7 Mio. Dollar enthalten. Am Donnerstag seien noch einmal rund 150 Mio. Dollar abgebucht worden, hieß es weiter.
Der Kurs der Yukos-Aktie brach nach Bekanntwerden der Beschlagnahme vorrübergehend um 15 Prozent ein. Am Nachmittag notierte das Papier leicht erholt bei 109,51 Rubel, was einem Abschlag von 7,74 Prozent entspricht. Yukos hat mehrfach selbst davor gewarnt, dass die Firma zum Konkurs gezwungen sein könnte, wenn sie wie von den Behörden verlangt bis Ende August Steuerschulden für 2000 in einer Gesamthöhe von rund 3,4 Mrd. Dollar zahlen muss. Nach eigenen Angaben kann Yukos bis dahin lediglich 1,8 Mrd. Dollar aufbringen.
Offiziell machte Russlands größter Ölkonzern am Freitag keine Angaben zur aktuellen Höhe seiner Bankguthaben. "Alles was wir sagen können ist, dass uns keine neuerliche Anordnung des Gerichts zum Einfrieren unserer Konten vorliegt", sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Vom zuständige Gericht war keine Stellungnahme zu erhalten. (apa/red)
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