Mittwoch, 4. August 2004

Reiche immer reicher, Arme immer ärmer: Armut und Reichtum nehmen weiter zu

  • Steigerung der Löhne hilft hohn Einkommensschichten
  • Stagnation bei den unteren Bezugsgruppen

Die SP-nahe Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) hat am Mittwoch ihren ersten "Armuts- und Reichtumsbericht" vorgestellt. Das scheinbar paradoxe Ergebnis der Studie: Sowohl Armut als auch Reichtum nehmen in Österreich zu.

Ablesen kann man dies etwa an den Arbeitnehmer-Einkommen: Die Bruttolöhne und -gehälter sind zwischen 1995 und 2001 um insgesamt 16,7 Prozent gestiegen. Davon profitieren konnten allerdings vor allem die Bezieher von hohen Einkommen: Während die Einkommen der unteren 30 Prozent der Arbeitnehmer nur um insgesamt ein Prozent wuchsen, bekamen die oberen fünf Prozent 2001 um 23 Prozent mehr als 1995. In Summe verdienen die fünf Prozent Spitzenverdiener damit fast drei mal so viel wie das untere Einkommensdrittel (15,9 Mrd. Euro gegenüber 5,5 Mrd. Euro).

Stagnation bei den unteren Einkommensschichten
Die Stagnation der unteren Einkommensgruppen hängt laut ÖGPP- Generalsekretär Höferl mit der deutlichen Zunahme der so genannten "atypischen" Beschäftigung zusammen: Seit Mitte der 90er Jahre ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 45 Prozent auf 667.000 gestiegen, die Zahl der geringfügig Beschäftigten hat um 74 Prozent auf 220.000 zugelegt und außerdem wurden Ende 2003 etwa 56.000 arbeits- und sozialrechtlich benachteiligte "freie Dienstnehmer" und "neue Selbstständige" gezählt.

Geldvermögen wächst an
Stark gewachsen ist seit 1996 das Geldvermögen der Österreicher, und zwar um durchschnittlich 8,6 Prozent seit 1996 auf insgesamt 1.322,9 Mrd. Euro. Armutsgefährdet bzw. in akuter Armut waren 2001 etwa zwölf Prozent der Österreicher. Überdurchschnittlich armutsgefährdet sind der Studie zufolge Frauen, Alleinerzieher, Pensionisten und Arbeitslose. Aber auch Selbstständige haben ein überdurchschnittliches Armutsrisiko.

Der "reichste" Bezirk Österreichs ist übrigens die Wiener Innenstadt, mit einem Durchschnittseinkommen von 65.000 Euro jährlich bei Selbstständigen bzw. 63.300 Euro bei Unselbstständigen. Hier ist aber auch der Unterschied zwischen Männern und Frauen am größten (Männer verdienen durchschnittlich 90 Prozent mehr).
(apa)

4.8.2004 13:12