Mittwoch, 4. August 2004

Deutsche Arbeitslosigkeit erreicht Juli-Rekord: 4,36 Millionen ohne Job

  • 10,5 Prozent sind höchster Stand seit Wiedervereinigung
  • Entspannung frühestens für 2005 erwartet

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat im vergangenen Monat mit 4,359.900 den höchsten Juli-Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Obwohl die derzeit 84.400 Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen seit Jahresanfang nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden, lag die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung im Juli um 6.700 über dem Vorjahreswert, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg. Eine Entspannung sei frühestens 2005 zu erwarten.

Der Anstieg um 126.500 im Vergleich zum Juni ist zugleich der höchste seit 1997. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Punkte auf 10,5 Prozent.

Der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, sagte, die anhaltende Erholung der Konjunktur habe sich noch nicht auf dem Arbeitsmarkt ausgewirkt. So nahm die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Juli um 11.000 auf 4,386 Millionen zu. Der Anstieg sei jedoch nicht mehr so stark wie in den ersten vier Monaten, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Noch immer würden Stellen abgebaut.

Wirtschaftswachstum zu schwach
Auch das prognostizierte höhere Wirtschaftswachstum reiche für die Schaffung neuer Stellen noch nicht aus, sagte Weise. Bei einer Wachstumsrate von 1,8 Prozent könne im Herbst aber zumindest ein weiterer Stellenabbau verhindert werden. Eine Verbesserung der Beschäftigungssituation sei frühestens im nächsten Jahr zu erwarten. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Wachstumsrate von mehr als zwei Prozent.

Als Gründe für den unerwartet hohen Anstieg in diesem Juli nannte der BA-Vize die hohe Zahl von Jugendlichen, die nach dem Ende ihrer Ausbildung noch keine Stelle gefunden hätten. Alt schloss auch nicht aus, dass im Vorgriff auf das Arbeitslosengeld II von den Kommunen bereits jetzt Sozialhilfeempfänger als arbeitslos gemeldet würden. Zudem würden nach dem Kündigungstermin zum Quartalsende Neueinstellungen vielfach erst nach der Sommerpause vorgenommen.

Weniger Erwerbstätige
Die Zahl der Erwerbstätigen hat sich im Mai (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) saisonbereinigt um 10.000 verringert. Mit 38,18 Millionen liege sie um 100.000 unter dem Vorjahreswert. "Durch die Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung und die Förderung selbstständiger Tätigkeiten konnte der Rückgang der Erwerbstätigkeit deutlich in Grenzen gehalten werden", sagte Alt. Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten habe im Juli mit 4,54 Millionen um 360 000 über dem Vorjahreswert gelegen.

Ende Juli erhielten 227.500 Selbstständige Überbrückungsgeld oder einen Existenzgründerzuschuss - 110.500 mehr als vor einem Jahr. Im Gegenzug lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Hochrechnungen zu Folge im Mai mit 26,45 Millionen um 518.000 unter dem Vorjahreswert. Die Zahl der offenen Stellen nahm im Juli nur noch geringfügig auf 296.600 ab. Das waren aber 70.500 oder 19,2 Prozent weniger als vor einem Jahr.

In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der amtlich registrierten Arbeitslosen um 90.800 auf 2,759.700, in Ostdeutschland um 35.700 auf 1,600.300. Die Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen werden jedoch seit Jahresbeginn in der Statistik nicht mehr mitgezählt. Andernfalls hätte sich nach BA-Angaben im Vergleich zum Vorjahr bundesweit ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 82.500 auf 4,43 Millionen ergeben.

Entspannung frühestens 2005
Die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet frühestens im kommenden Jahr mit einer spürbaren Belebung auf dem schwachen Arbeitsmarkt in Deutschland. Mit einer nachhaltigen Verringerung der Arbeitslosenzahlen sei frühestens 2005 zu rechnen, aber dazu sei ein "Wirtschaftswachstum von zwei plus x" nötig, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt am Mittwoch bei der Vorlage der Arbeitsmarktdaten für Juli.
(apa)

4.8.2004 10:22