Montag, 2. August 2004

Nach Einigung auf WTO-Abkommen: Öster- reichs Bauern warnen vor verfrühtem Jubel

  • Bauernvertreter: "Detailverhandlungen sind abzuwarten"
  • Druck auf Bauerneinkommen steigt

Österreichs Bauernvertreter warnen vor verfrühtem Jubel über den in Genf beschlossenen Kompromiss für ein WTO- Rahmenabkommen. Die Einigung eröffne zwar die Chance auf einen positiven Abschluss der WTO-Doha-Runde, für eine Bewertung des Ergebnisses müssten jedoch die Endverhandlungen abgewartet werden, sagte Rudolf Schwarzböck, Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern.

Der Druck auf die Landwirtschaft und die bäuerlichen Einkommen in der EU und in Österreich werde aber steigen, so Schwarzböck im Ö1- "Mittagsjournal". Es werde nun darauf ankommen, mit welchen Programmen man gegensteuere. Viel hänge zudem davon ab, ob Österreichs Bauern die derzeit hohen Standards auch bei größerem Konkurrenzdruck aufrechterhalten können. Wenn es gelinge, auch weiterhin bei guter Qualität und entsprechender Wertschöpfung heimische Agrarprodukte zu exportieren und im Inland sowohl Konsumenten als auch Handel hinter den hohen Qualitätsstandards stehen, habe die heimische Landwirtschaft eine Zukunft.

Um bei den Detailverhandlungen im Sinne der europäischen Bauern positive Lösungen zu finden, sei eine starke Europäische Kommission notwendig, die sich in ihrer Grundausrichtung auch nicht durch den Wechsel, der im Herbst ansteht, beeinträchtigen lasse. So müsse beispielsweise in den Verhandlungen danach getrachtet werden, dass der Abbau der Exporthilfen auch in den Überseeländern ernstlich verfolgt werde.

Die Agrarreform der EU und vor allem die Tatsache, dass in Österreich bereits zwei Drittel der Fördergelder für Agrarumweltmaßnahmen und Bergbauern ausgegeben werden, federe die geplante Reduktion der Agrarförderungen für heimische Bauern etwas ab. Aber auch hier seien erst Detailverhandlungen abzuwarten, betonte Schwarzböck.
(apa/red)

2.8.2004 13:38