Montag, 2. August 2004

Leitzinsen im Euro-Raum bleiben
auf historisch tiefem Niveau

  • Bank of England erhöhte ihre Leitzinsen
  • EZB dürfte kaum vor Jahresende nachziehen

Die Europäische Zentralbank (EZB) wartet mit der Zinswende noch zu. Sie hat die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert bei 2 Prozent belassen. Damit bleibt das Zinsniveau im Euro-Raum auf einem historisch tiefen Niveau.

Der EZB-Rat kam an einer Telefonkonferenz zum Schluss, dass es noch nicht Zeit sei, die Geldzügel anzuziehen. Der für die zwölf Euro-Länder wichtigste Leitzins verharrt bereits seit Juni 2003 bei 2 Prozent. Die Begründung für seinen Entscheid will der EZB-Rat in einer Woche schriftlich nachliefern. Experten hatten im Vorfeld der Konferenz damit gerechnet, dass der Leitzins nicht verändert wird.

Die EZB ließ überdies auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert: Die Sätze betragen 1,0 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,0 Prozent für Übernachtkredite.

Im Unterschied zur EZB erhöhte die Bank von England ihren Leitzins am Donnerstag um 0,25 Prozent auf 4,75 Prozent. So hoch war der Leitzins in Großbritannien seit drei Jahren nicht mehr. Dadurch sollen die Briten weniger schnell Kredite aufnehmen. Zudem verteuert sich der Hauskauf, was die Nachfrage bremsen soll. Die britischen Haushalte sind mit 1,5 Billionen Euro verschuldet, und die Haupreise steigen immer weiter.

Großbritannien rechnet im laufenden Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von über 3,5 Prozent. Das ist vor allem der großen Inland-Nachfrage zu verdanken. Ökonomen hatten bereits vor einer Überhitzung der Wirtschaft gewarnt.

Im Unterschied zu Großbritannien, den USA und auch der Schweiz lässt die Zinswende in der Euro-Zone auf sich warten. Die meisten Ökonomen rechnen frühestens gegen Ende Jahr mit einer Erhöhung. Die nächste EZB-Ratssitzung mit Zinsbeschluss ist nach der Sommerpause am 2. September geplant.

Die Experten machen den Zeitpunkt vor allem von den Ölpreisen abhängig. Wenn sei weiter hoch blieben, werde die EZB die Erhöhung voraussichtlich in den Herbst vorziehen, sagte Michael Schubert, Analyst bei der Commerzbank. Die Ölpreise seien ein wichtiger Faktor, weil sie das Wachstum dämpften und die Inflation stark erhöhten, sagte Schubert. Auch EZB- Präsident Jean-Claude Trichet hatte sich jüngst immer wieder besorgt über das teure Öl geäußert.

Die EZB fürchtet steigende Löhne als Folge der Rekord-Ölpreise. Der Preis für Opec-Rohöl hatte am Montag erstmals seit Einführung des Korbpreises am 1.Januar 1987 die 39-Dollar-Marke übersprungen. Zuletzt war die EZB von einer schrittweisen Konjunkturerholung im Euro-Raum ausgegangen, die von den tiefen Zinsen gestützt werde. Mittelfristig sieht sie die Preisstabilität trotz hoher Ölpreise gewahrt. Gemäß EZB-Definition herrscht Preisstabilität, wenn die jährliche Inflationsrate unter 2 Prozent liegt.

Die hohen Ölpreise dürften die Teuerungsrate in der Euro-Zone allerdings länger über diesen Grenzwert drücken, hatte die EZB erklärt. Im Juli hatte die Inflation in der Euro-Zone wie bereits im Vormonat bei 2,4 Prozent gelegen. (apa/red)

2.8.2004 12:07