Montag, 2. August 2004

Yukos-Affäre: Kanadas Ex-Premier Jean Chretien soll Vermittler werden

  • Aufgabenbereich allerdings noch weitgehend unbekannt
  • Yukos-Aktie nach Presseberichten um 17 % gestiegen

Kanadas Ex-Premierminister Jean Chretien ist laut einem Pressebericht als Vermittler in der Steueraffäre um den russischen Ölkonzern Yukos bestellt worden. Wie Zeitungen berichteten, ist die genaue Rolle Chretiens, der heute die Anwaltskanzlei Heenan Blaikie leitet, allerdings noch unklar.

Der Geschäftsführer der Holding Menatep, über die auch die Yukos-Anteile des inhaftierten Konzerngründers Michail Chodorkowski gehalten werden, begrüßte die Anstrengungen von Chretien, eine Lösung für den Konflikt zu finden.

Ein Menatep-Sprecher sagte, er wisse jedoch nicht, wer Chretien angeheuert habe: der Kreml, Yukos oder Menatep. Das russische Präsidialamt hatte bestätigt, dass Chretien sich am 5. Juli mit Präsident Wladimir Putin traf. Allerdings wurde dementiert, dass es dabei um Yukos gegangen sei.

Aktienplus
Die Aktien des russischen Ölkonzerns Yukos haben nach widersprüchlichen Berichten über einen Zahlungsaufschub für die Milliarden-Steuernachzahlungen ihre Vorwochenverluste teilweise wett gemacht. Im Moskauer RTS-Interfax-Index schnellten Yukos-Papiere am Montag um mehr als 17 Prozent auf 4,30 Dollar in die Höhe. Der drohende Zusammenbruch des größten russischen Ölexporteurs hatte in den vergangenen Tagen auch die Rohölpreise auf dem Weltmarkt in die Höhe getrieben.

Am Freitag hatte die Nachrichtenagentur Interfax den obersten russischen Gerichtsvollzieher, Andrej Beljakow, mit den Worten zitiert, die Behörden gewährten Yukos einen einmonatigen Zahlungsaufschub für die ausstehenden Steuernachforderungen. Beljakow dementierte später nach anderen Medienberichten, eine solche Zusage gegeben zu haben. Yukos ist rechtskräftig verurteilt zu Steuernachzahlungen für das Jahr 2000 in Höhe von 99 Mrd. Rubel (2,8 Mrd. Euro). Es läuft ein Zwangsvollstreckungsverfahren.

Berichte über Zahlungsaufschub brachte Plus
Seit Wochen sorgen Hiobsbotschaften und Hoffnungssignale für einen extrem volatilen Yukos-Kurs. Marktbeobachter hegen den Verdacht, dass russische Medien gezielt Nachrichten manipulieren könnten, um den Kurs im Interesse von Spekulanten zu beeinflussen. In der Vorwoche hatten Agenturen berichtet, die Justiz habe Yukos den Verkauf von Erdöl verboten. Die Nachricht führte zu einem weiteren Anstieg der Weltmarktpreise. Die Behörden dementierten später, ein solches Verbot ausgesprochen zu haben.
(apa)

2.8.2004 10:41