Mittwoch, 4. August 2004

Alleine im Ruderboot: Solist Hartl
vertraut in Athen auf seine eigene Kraft

  • Früherer Bugmann des Vierers sitzt bei Olympia im Skiff
  • Bei optimalem Verlauf ist eine Finalteilnahme möglich

Vor vier Jahren erlebte er in Sydney als Bugmann im Schwerer Doppelvierer seine Olympiapremiere, bei den Sommerspielen in Athen vertraut Ruderer Raphael Hartl zwangsläufig allein auf seine Stärke. Und findet Gefallen daran. "Es ist ganz was anderes, man ist schon sehr alleine. Aber der Vorteil ist, dass man seine eigene Leistung sieht, man weiß, was der Beitrag ist. Das taugt mir, ich bin froh, dass ich das am Ende der Karriere noch erlebe", gestand der 28-jährige gebürtige Linzer. In Athen ist bei optimalem Verlauf die Finalteilnahme drinnen.

Als Favoriten nach Australien gereist, erlebten die beiden ÖRV-Vierer in Sydney eine bittere Enttäuschung, das Boot der Schwergewichte landete im B-Finale auf Platz fünf und wurde Gesamt-Elfter. Vom Medaillen- zum Albtraum - was er daraus gelernt hat? "Wir haben kein Höhentraining gemacht", so Hartl nicht ohne Ironie. Anpassungsschwierigkeiten nach dem Höhentrainingslager waren 2000 für das Debakel im Zeichen der Fünf Ringe verantwortlich.

Nach Olympia zerfiel der Doppelvierer, Hartl versuchte es in den folgenden Jahren im Doppelzweier mit Norbert Lambing (2001) und Christof Uhl (2002). 2003 wurde wieder ein Vierer formiert, der gewünschte Erfolg stellte sich nicht ein, der Hobby-Bergsteiger stieg in den Zweier um (mit Uhl). Mit diesem Boot misslang der Versuch, das Ticket für Athen noch zu lösen, im Einer setzte sich Hartl in der ÖRV-internen Ausscheidung gegen Ralph Kreibich durch.

"So wie wir als realistische Medaillenanwärter nach Sydney fuhren, so realistisch ist es, dass ich in Athen keine Medaille mache. Ich rechne nicht damit. Es gibt drei Topfavoriten, den Deutschen Marcel Hacker, den Tschechen Vaclav Chalupa und den Norweger Olaf Tufte. Dann kommen ein paar, die vom Niveau her drunter sind, vielleicht kann ich einen schlagen und ins Finale fahren." Im Einer hat er erst zwei internationale Bewerbe bestritten, beim Weltcup in Posen wurde er 14., in München sehr guter Vierter, geschlagen nur von Chalupa, Tufte und dem Belgier Mayens.

Kampf mit Wellen und Hitze
Hartl, der mit dem Nationalteam - in Athen ist als zweites ÖRV-Boot der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann dabei - bis zur Abreise am 11. August in Linz-Ottensheim trainiert, befindet sich "in guter Form. Wir haben auch diesmal ein bisserl riskiert, aber das muss man machen. Wir haben intensiv trainiert, um Reize zu setzen. Sonst stagniert man."

Olympia sieht er anders als vor vier Jahren "viel lockerer" entgegen. Mit der Hitze und den Wellen auf dem Ruder- und Kajak-Komplex bei Schinias haben alle zu kämpfen. "Die Wellen sollen angeblich riesig sein. Ich bin aber kein besonders guter Wellen-Ruderer", weiß Hartl. Um gegen etwaige Verschiebungen gerüstet zu sein, nächtigt das österreichische Team in zwei klimatisierten Wohnmobilen in der Nähe der Anlage. (apa/red)

4.8.2004 11:30