Donnerstag, 5. August 2004

Athen macht Jagd auf Dopingsünder: Erstmals Wachstumshormone nachweisbar

  • 2.600 Urinkontrollen und 400 EPO-Tests
  • ABTIMMUNG: Wer holt Athen Medaillen für Österreich?

Dopingsünder werden es in Athen nicht leicht haben. 2.600 der 10.500 Sportler werden über Urinkontrollen auf Hormone, Stimulanzien und andere verbotene Wirkstoffe untersucht, 400 zusätzlich durch Bluttests auf EPO. Erstmals wird dabei auch nach Wachstumshormonen (HGH) gefahndet werden.

Die klassischen Hormone bleiben trotz aller Forschungen auf neuen Gebieten der Renner in den Doping intensiven Sportarten, in denen die Kraftkomponente eine wichtige Rolle spielt. Dies zeigt auch der trotz etlicher Sperren noch nicht ganz offen gelegte Skandal um das kalifornische Labor Balco. Aber auch Stimulanzien stehen bei potenziellen Betrügern hoch im Kurs, wie der Fall der Amerikanerin Kelli White (Modafinil) zeigt, die WM-Gold 2003 über 100 und 200 m verlor.

Unter Regie des Organisationskomitees ATHOC, das rund 100 Mitarbeiter für den Dopingbereich einsetzt, werden in Athen die Medaillengewinner und der Viertplatzierte in allen 301 Wettbewerben getestet, dazu im Schnitt zwei weitere Athleten. In Mannschaftswettbewerben müssen nicht alle Spieler(innen) beim Dopingarzt erscheinen, sondern nur ein oder zwei durch ein Los bestimmte Teammitglieder. Kontrollen erfolgen nach Los auch in Qualifikationen der Einzel- und Mannschaftssportarten sowie generell bei Weltrekorden und olympischen Rekorden.

Im Vorfeld der Spiele werden auch Trainingskontrollen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA - ihr Jahresbudget 2004 wurde auf 20,2 Millionen Dollar aufgestockt - in nicht bekannter Zahl durchgeführt. Anabole Steroide sind allenfalls noch zwei Wochen nach der Einnahme nachweisbar, neuere Präparate können auch deutlich später eingenommen werden und hinterlassen keine verdächtigen Spuren im Urin.

Interessant ist, dass seit Öffnung des olympischen Dorfes am 30. Juli für den gesamten Zeitraum der Spiele Trainingskontrollen wie Wettkampfkontrollen gemacht werden. Dies ist vor allem bei jenen Stimulanzien von Bedeutung, deren Einsatz während der Trainingsphase anders bestraft wird als im Wettkampf.

Bezüglich der Wachstumshormone sollen angeblich schon Einsatz reife Verfahren es ermöglichen, dass diese Mittel noch 84 Tage nach ihrem Einsatz aufzuspüren sind. "Wir lassen es die Sportler allerdings nicht wissen, was heute möglich ist", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge, der auf den Überraschungseffekt setzt und zur Manipulation neigende Athleten verunsichern will.

Seit einiger Zeit schwebt auch das Gespenst des Gen-Dopings über dem Sport. Doch alles bleibt vorerst Utopie. Bisher konnten die Forscher selbst für den Einsatz in der Medizin fremde Gene nicht in andere Zellen einschleusen.

(apa/red)

5.8.2004 15:09