Mittwoch, 4. August 2004

Känguru-Kate und der Lauf ihres Lebens: Erbarmungslose Allen hat es allen gezeigt

  • BILDER der Siegesfeier und des Sensationserfolges
  • Olympiasiegerin holte auf Laufstrecke drei Minuten auf!

Wir haben Gold! Kate Allen gewinnt den Triathlon auf den letzten Metern vor der Australierin Loretta Harrop. Allen war nach dem Schwimmen nur 44., hatte beim letzten Wechsel fast drei Minuten Rückstand, lief dann aber ein unfassbares Rennen und fing die Australierin auf den letzten Metern ab. "Das ist die totale Überraschung, ich war in der Form meines Lebens",

In der Form ihres Lebens war sie in der Tat. Allen lag nach dem in einer Meeresbucht im 26 Grad warmen Wasser ausgetragenen 1,5-km-Schwimmbewerb mit 2:01 Minuten Rückstand auf die führende Harrop an der 44. Stelle des 50-köpfigen Teilnehmerinnenfeldes. Das klingt viel, damit hatte sie den Rückstand in ihrer mit Abstand schwächsten Disziplin aber in Grenzen gehalten. Die intensive Arbeit in den vergangenen Wochen hat sich bezahlt gemacht und die Basis für den späteren Erfolg war gelegt. Allen meinte später auch, das Salzwasser, das sie seit ihrer Kindheit schon bevorzugt hat, habe ihr an diesem Tag sehr geholfen.

Als 29. auf die Laufstrecke
Auf dem mit 20 Prozent Steigung extrem anspruchsvollen Radkurs hatte die gebürtige Australierin, die seit 2002 die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, nach einer der fünf Runden nur noch 1:30 Minuten Rückstand auf den dritten Gesamtplatz, mit dem Zusammenschluss an die erste Verfolgergruppe und dank der exzellenten Arbeit "von drei Girls in unserer Gruppe" ließ sich der Rückstand auf die Ausreißerinnen weiter in Grenzen halten. Allen kam nach 40 Kilometern im Feld als 28. in die Wechselzone und als 29. heraus.

Sensationelle Lauf-Leistung
Aber dann kam die Laufstrecke und mit ihr eine Leistung, wie sie der Damen-Triathlonsport schon lange nicht mehr gesehen hat. Die Vize-Europameisterin machte bei Lufttemperaturen von über 30 Grad rasend schnell Zeit gut, vor der letzten der drei Runden hatte sie nur noch rund zehn Sekunden Rückstand auf Bronze, überholte die vor ihr liegenden Konkurrentinnen und kam als Zweite um die letzte Kurve ins Zielstadion.

Einer Inszenierung glich dann das Finish, im Sprint nahm sie Harrop noch 6,72 Sekunden ab und hatte geholt, wovon sie geträumt, was sie aber für möglich gehalten und auch immer wieder betont hat: eine Olympiamedaille. Bronze ging an die US-Amerikanerin Susan Williams.

"Das Laufen war bei mir nie ein Problem. Und nach dem Testwettbewerb hier im vergangenen Jahr (13./Anm.), wo ich mit der Radleistung überhaupt nicht zufrieden war, habe ich daran hart gearbeitet. Das ist nicht nur die Lauf- sondern auch die Radform meines Lebens." Was im Laufen für sie noch möglich ist, hat sie schon oft bewiesen, an diesem Tag war sie aber von sich selbst überrascht. Plötzlich sei sie Top Fünf gewesen, lag auf dem Bronzerang und habe es nicht einmal richtig mitbekommen, lief zu Silber und holte sich Gold.

Das erstaunte sie und die internationale Fachpresse, die Kate Allen nie und nimmer auf der Liste hatte ("Woher kommt sie? Aus Neuseeland?"). Denn in der Weltrangliste ist die Österreicherin nur 40., weil sie an Bewerben gespart hat. Seit der Europameisterschaft im April in Valencia hat sie kein Rennen mehr bestritten, die WM wegen einer Verletzung im rechten Wadenmuskel auslassen müssen.
(apa/red)

4.8.2004 14:06