Dienstag, 3. August 2004

Kein Interesse in Athen: Bisher weniger als die Hälfte der Olympia-Tickets verkauft

  • Nur Halbfinal- und Final-Karten sind fast vollständig weg
  • Aufregung: Journalisten von Polizisten verprügelt?

Der Kartenverkauf läuft schleppend, die Hotels klagen über leere Betten und die verschärften Sicherheitsvorschriften sorgen für ersten Ärger: Nur wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele ist in Athen noch nichts von einer ausgelassenen Olympia-Stimmung zu spüren. Vor allem der spärliche Absatz von Eintrittskarten für die olympischen Wettbewerbe bereitet den Organisatoren Kopfschmerzen. Bisher wurden erst 2,2 Millionen von insgesamt 5,3 Millionen Tickets verkauft, was Wettkämpfe in halb leeren Stadien und Hallen befürchten lässt.

Ein Sprecher des Athener Organisationskomitees (ATHOC) korrigierte die bisher veröffentlichten Zahlen (drei Millionen Karten) bedeutend nach unten. Um den Absatz anzukurbeln, sollen in den kommenden Tagen neue Verkaufsstellen geöffnet werden. Vor allem das Interesse an den Vorrundenspielen in den Ballsportarten und den Ausscheidungswettkämpfen in den Individualwettbewerben hält sich stark in Grenzen. Für die Halbfinali und Finali in den einzelnen Sportarten sind dagegen bereits 87 Prozent der zur Verfügung stehenden Tickets verkauft worden.

Journalisten von Polizisten verprügelt?
Für Aufregung sorgte ein Zwischenfall im Hafen von Piräus, wo die Polizei zwei mexikanische Fernseh-Journalisten vorläufig festnahm. Der Reporter und sein Kameramann hatten sich nicht an das verhängte Foto- und Filmverbot gehalten. Bei einem Verhör soll das Duo von Polizeibeamten geschlagen und mit Waffen bedroht worden sein. Das ATHOC bedauerte den Vorfall und kündigte eine Untersuchung an. "Wir werden die Verantwortlichen, falls es welche gibt, zur Rechenschaft ziehen", sagte ATHOC-Sprecher Mihalis Zaharatos. Die Journalisten sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Die olympischen Wettkampfstätten sind derzeit hermetisch abgeriegelt. Sicherheitskräfte weisen selbst Journalisten mit Bestimmtheit ab, wenn diese einen neugierigen Blick in das Olympiastadion werfen wollen. "Die Sicherheit der Olympischen Spiele ist eine kollektive Verantwortung für uns alle. Es ist ein nationales Thema", begründete der griechische Verteidigungsminister Spilios Spiliotopoulos die scharfen Vorkehrungen.

4.000 Betten stehen noch frei
Die Angst vor Terroranschlägen beschäftigt aber nicht nur die insgesamt 70.000 Sicherheitskräfte, sondern lähmt auch den Tourismus. Derzeit sind in Athen noch mehr als 4.000 Betten für die Zeit der Sommerspiele frei. Nach Angaben des Tourismus-Ministeriums kamen im ersten Halbjahr acht Prozent weniger Besucher in die griechische Hauptstadt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Wir erleben das schlechteste Jahr seit langem", klagte ein Tavernen-Besitzer über rückläufige Umsätze.

Hochbetrieb herrscht dagegen auf den immer noch zahlreich vorhandenen Olympia-Baustellen. Sei es an U-Bahn-Stationen oder rund um die Olympia-Anlagen - überall wird gehämmert, geschweißt oder aufgeräumt. ATHOC-Chefin Gianna Angelopoulos-Daskalaki verbreitet dennoch Optimismus. "Vor sechs Monaten konnte sich keiner vorstellen, dass die Olympia-Anlagen rechtzeitig fertig werden. Nun haben wir es geschafft und können zufrieden sein", sagte sie. (apa/red)

3.8.2004 13:28