Sonntag, 8. August 2004

Flucht im Holzboot von Afrika nach Europa:
26 Menschen sterben auf hoher See

  • 74 Überlebende 130 Seemeilen vor Sizilien gerettet

Flüchtlingstragödie vor der sizilianischen Küste. Mindestens 26 Afrikaner, die per Holzboot von Libyen aus nach Italien flüchten wollten, sind auf hoher See gestorben. 74 Überlebende hat ein Frachter 130 Seemeilen vor Sizilien gerettet. Sie wurden nach Syrakus gebracht und hätten kaum noch Lebensmittel- und Wasservorräte gehabt.

Ein Viertel der ursprünglich 100 Flüchtlinge sei auf See gestorben, teilte die Polizei mit. Man habe ihre Leichen über Bord geworfen, berichteten Überlebende. Die Polizei habe einige Flüchtlinge befragt und dabei herausgefunden, dass die Menschen auf dem 14 Meter langen Boot anfangs zusammengepfercht gewesen seien. Demnach sind während der neuntägigen Fahrt 26 Flüchtlinge an Erschöpfung gestorben. Zunächst war von 15 Todesopfern die Rede.

Die Flüchtlinge stammen nach eigener Darstellung aus dem Sudan, Liberia, Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) und Sierra Leone. Sie sollen für die Überfahrt zwischen 800 und 1.800 US-Dollar (zwischen 663 und 1.492 Euro) bezahlt haben. "Mein Sohn hat es nicht geschafft. Ich musste ihn auf See lassen", berichtete einer der Überlebenden der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Die italienische Ärztin Giuseppina Pignatello sagte, die Überlebenden seien "in einem erbärmlichen Zustand". Sie seien völlig ausgetrocknet, erschöpft und "tropfnass" gewesen, "und der Wind auf dem Schiffsdeck hat es nicht besser gemacht". Man habe 16 Flüchtlinge in ein Krankenhaus gebracht, unter ihnen zwei Frauen. Die anderen wurden der Ärztin zufolge notdürftig in einer Schule untergebracht.
(apa/red)

8.8.2004 21:05