Sonntag, 8. August 2004

Neuerliche Vorwürfe: US-Offziere sollen Folterungen im Irak gedeckt haben

  • Soldaten mussten Misshandelte alleine lassen
  • PLUS: Die BILDER aus dem Gefängnis des Grauens

Bezüglich der Behandlung irakischer Gefangener haben US-Soldaten neue Vorwürfe gegen ihre eigenen Vorgesetzten erhoben. Ein Bericht der amerikanischen Tageszeitung "The Oregon" legt nahe, dass die Misshandlung zahlreicher Häftlinge durch irakische Polizisten von US-Kommandanten geduldet wurde.

Die Zeitung beruft sich auf Soldaten der Nationalgarde von Oregon, die versucht hätten, den misshandelten Irakern zu helfen. Sie hätten jedoch Befehl erhalten, die Häftlinge mit ihren Peinigern allein zu lassen.

Der Vorfall ereignete sich dem Bericht zufolge Ende Juni, nachdem die irakische Regierung ein hartes Durchgreifen gegen Kriminelle angeordnet hatte. Irakische Sicherheitskräfte hätten daraufhin in Bagdad rund 150 Personen verhaftet. Am 29. Juni habe ein Soldat aus Oregon beobachtet, wie ein Polizist im Hof des irakischen Justizministeriums einen Mann mit einem Stock geschlagen habe, schreibt die Zeitung.

Der Kommandant der Einheit, Daniel Hendrickson, sei daraufhin mit einer Gruppe von Soldaten ausgerückt und habe in dem Hof mehrere Gefangene mit blauen Flecken, Schnitten und Spuren von Stock- oder Gürtelhieben entdeckt. "Ich habe Gefangene gesehen, die kaum laufen konnten", zitiert die Zeitung einen Hauptmann, Jarrel Southall, der ihr von dem Vorfall berichtete. Die Soldaten hätten Erste Hilfe geleistet, US-Militärpolizisten seien hinzugekommen und hätten die irakischen Sicherheitskräfte entwaffnet.

Als Kommandant Hendrickson über Funk um Instruktionen gebeten habe, sei er jedoch angewiesen worden, die Häftlinge an die irakischen Sicherheitskräfte zurückzugeben und das Gelände zu verlassen.

Die US-Botschaft in Bagdad erklärte dem "Oregon" zufolge auf Anfrage, der Vorfall sei gegenüber dem irakischen Innenministerium angesprochen worden. Zu dessen Antwort wollte sich die Botschaft nicht äußern.

8.8.2004 19:12