Donnerstag, 5. August 2004

Konflikt im Westjordanland: Palästinenser nennen Israels Wohnungsbau Landraub

  • US-Gesandter Abrams bei Korei und Erekat

Die palästinensische Regierung sieht in den israelischen Plänen zum Ausbau von Siedlungen im besetzten Westjordanland einen Landraub. Damit werde den Palästinensern das Recht auf einen eigenen lebensfähigen Staat verweigert, erklärte Kabinettsminister Saeb Erekat im Gespräch mit dem US-Nahost-Gesandten Elliot Abrams.

Dieser hatte zuvor in Abu Dis mit dem palästinensischen Premierminister Ahmed Korei konferiert und wollte später mit dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon über den Siedlungsbau sprechen.

Westlich von Jerusalem wurde am Donnerstag weiter mit Hochdruck an der Erschließung eines Gebiets gearbeitet, auf dem nach israelischer Vorstellung im Widerspruch zum internationalen Friedens-Fahrplan (Roadmap) Tausende neuer Siedler-Wohnungen entstehen sollen. Israel will für diese und andere die Unterstützung der USA erhalten. Das amerikanische Außenministerium hat mehrfach gegen den Ausbau der Siedlungen protestiert. Beim Besuch des israelischen Ministerpräsidenten in Washington am 14. April hatte US-Präsident George W. Bush allerdings erklärt, dass eine komplette Räumung sämtlicher Siedlungen als "unrealistisch" betrachtet werden müsse.

Auf einer Pressekonferenz der palästinensischen Behörden in der Stadt Beit Hanun im Gaza-Streifen, zu der drei Minister erschienen waren, ist es am Donnerstag zu einem Eklat gekommen. Bewaffnete stürmten das Podium und vertrieben die drei Kabinettsmitglieder. Die israelische Armee hatte sich kurz zuvor nach sechswöchiger Besetzung aus dem Stadtzentrum zurückgezogen. Aus der Gegend von Beit Hanun waren wiederholt Kassam-Raketen auf Israel abgefeuert worden. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Truppen würden nur umgruppiert.(apa)

5.8.2004 14:30