Mittwoch, 4. August 2004

Folter auch in Guantanamo an der Tagesordnung? Ex-Häftlinge packen aus

  • Drei Männer berichten von Misshandlungen: Nackt fotografiert, mit dem Tod bedroht, unter Drogen gesetzt

Ehemalige britische Häftlinge des US- Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba sind nach eigenen Angaben von ihren Bewachern gedemütigt und misshandelt und worden. Die drei im März freigelassenen Männer geben an, in dem Lager nackt fotografiert, mit dem Tod bedroht und unter Drogen gesetzt worden zu sein, wie die britische Zeitung "The Guardian" am Mittwoch unter Berufung auf ein Dossier berichtete.

Ein US-Soldat habe Rhuhel Ahmed, einem der drei britischen Ex- Gefangenen, eine Waffe an den Kopf gehalten und mit seiner Erschießung gedroht, während ein britischer Soldat der Spezialeinheit SAS den Gefangenen verhört habe, zitiert der "Guardian" aus dem Dossier, das von den Anwälten des Trios zusammengestellt wurde. Der Vorfall habe sich kurz nach seiner Festnahme im November 2001 in Afghanistan ereignet.

Ahmed und seine Mitgefangenen Shafik Rasul und Asif Ikbal seien in Haft zudem wiederholt geschlagen, in Verhören "in schmerzhaften Haltungen" gefesselt und mit Stroboskoplicht und Schlafentzug misshandelt worden. Auch seien sie nackt fotografiert und anderweitig sexuell misshandelt worden. Die drei Männer zählen zu fünf britischen Guantanamo-Häftlingen, die im März nach Großbritannien überstellt und freigelassen wurden. Die drei Gefangenen hätten ihre Beschwerden nie gegenüber der britischen Regierung geäußert, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London.

In der Vergangenheit hatten bereits andere aus Guantanamo freigelassene Häftlinge von Misshandlungen berichtet. Hamed Abderrahman Ahmed, einziger spanischer Gefangener, hatte ausgesagt, er habe während der zweijährigen Haft vorübergehend sein Augenlicht eingebüßt. Die beiden französischen Häftlinge Nizar Sassi und Mourad Benchellali gaben an, mit Hunden bedroht worden zu sein. Bei Verhören seien Pumpguns verwendet worden. (apa)

4.8.2004 22:47