Rauchverbot im Parlament: Abgeordnete müssen künftig ins Raucherkammerl
- Abgeordnete hoffen, dass Raucherzimmer "nicht zu Selchkammern werden"
Auch im Parlament geht es Rauchern künftig an den Kragen. Das Rauchen in den Couloirs hinter dem Plenarsaal ist seit Herbst nicht mehr gestattet. Für die Abgeordneten, die den Glimmstängel an langen Sitzungstagen nicht missen wollen, werden nun zwei kleine Raucherkammerl eingerichtet.
Die Raucherzimmer - je eines hinter der linken und eines hinter der rechten Saalhälfte - wurden mit Hochdruck gebaut. Die beiden Bereiche - geschätzte fünf mal fünf Meter - werden mit Glaswänden von den Couloirs abgetrennt.
Bei den Betroffenen stoßen die Raucherzimmer auf gemischte Gefühle. "Verschwendung von Geldmitteln" sei das, und Ausdruck einer Regelungswut, ärgert sich etwa SP-Budgetsprecher Christoph Matznetter. Präsident Khol solle stattdessen lieber für eine funktionierende Entlüftung im Haus sorgen. Handlungsbedarf sieht Matznetter nicht: Im Plenarsaal herrsche ohnehin Rauchverbot und die vehementesten Verfechter einer Nichtraucherzone in der Cafeteria würden jetzt in der Raucherzone sitzen, während das Nichtraucherzimmer leer stehe.
Mehr Verständnis für die Nichtraucherzone haben die ÖVP-Abgeordnete Karin Hakl und Grünen-Gesundheitssprecher Kurt Grünewald. Hakl: "Ich verstehe ja, dass das für die Nichtraucher auch nicht leicht ist." Begeistert ist sie zwar nicht, will aber im September "proberauchen". "Vielleicht höre ich auch auf, vielleicht ist das ein guter Anlass." Hakl hofft jedenfalls, dass die Raucherzimmer nicht nach amerikanischem Vorbild gebaut werden ("fensterlose ungelüftete Kabinette").
Wie Hakl hofft auch Grünewald auf reichlich Frischluftzufuhr in den beiden Raucherzimmern: "Vorranging ist für mich der Nichtraucherschutz, weil es wurde vor dem Plenarsaal, in den Gängen doch relativ viel geraucht. Man sollte aber auch die Raucher schützen und die beiden Zimmer so belüften, dass sie nicht zu Selchkammern werden."
Die FPÖ kann sich das Ganze vorerst einmal gelassen ansehen. Mit dem Niederösterreicher Anton Wattaul ist vor der Sommerpause nämlich der letzte bekennende Raucher unter den freiheitlichen Abgeordneten aus dem Parlament ausgeschieden. "Wir sind zwar blau, aber nicht dem blauen Dunst verfallen", scherzt ein FP-Mandatar. (apa/red)
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