Freitag, 6. August 2004

Flüchtlingslager Traiskirchen: Laut Knotzer Ansturm auf Unterschriftenlisten!

  • Protest der Gemeinde stößt auf großes Echo bei der Bevölkerung

Groß war am Freitagnachmittag in Traiskirchen der Run auf die Unterschriftenlisten der Gemeinde. Sperre des Flüchtlingslagers, mehr Gendarmerie, Aufteilung der Asylwerber auf ganz Österreich - die Forderungen von Bürgermeister Fritz Knotzer fanden bei der Bevölkerung enorme Zustimmung. "2.000 Unterschriften wären ein Erfolg, aber ich rechne mit mehr", so Knotzer zuversichtlich.

Der Gemeinde-Stand in der Einkaufspassage "Arkadia" war noch nicht ganz fertig aufgestellt, da scharten sich schon die ersten Passanten um die Unterschriftenlisten. Die Protestaktion war sichtlich kein lang geplantes Vorhaben - sämtliche Tafeln waren handgeschrieben, Wirkung zeigten sie dennoch. Innerhalb weniger Minuten hatte sich eine Menschentraube um den Bürgermeister geschart. Dieser schüttelte bereitwillig Hände, posierte geduldig vor den Kameras der Fotografen und gab ein Interview nach dem anderen.

"Mir haben's schon drei Mal was g'stohln - meinem Enkerl auch", echauffierte sich eine alte Dame, während sie energisch ihren Namen auf die Liste setzte. "Ich bin schon seit 60 Jahren hier, ich hab schon die Ungarn-Flüchtlinge 1956 erlebt", erzählte eine andere. An eine Reduzierung der Asylantenzahl auf 300 Personen, wie sie die Gemeinde forderte, glaubt sie zwar nicht so recht, unterschrieb aber trotzdem. "Wir werden hartnäckig bleiben", versprach ihr ein Gemeindemitarbeiter. Die Frau lächelte und winkte ab.

Auch ein Asylant trug sich ein und hielt den Daumen nach oben. Seit dem Handtaschenraub eines Asylwerbers aus dem - immer noch hoffnungslos überfüllten - Lager gibt es in Traiskirchen praktisch nur noch ein Gesprächsthema. Die Sicherheit sei gefährdet, heißt es, man befürchte im Wiederholungsfall eine Eskalation der Situation. Bürgermeister Knotzer will nicht länger zuschauen, die Unterschriften sollen zusätzlich Druck auf Innenminister Ernst Strasser (V) machen.

Bis Ende August wollen die Gemeindevertreter immer am Freitagnachmittag von 14.00 bis 18.00 Uhr in der Einkaufspassage vor der "Lieserl-Hütte", zwischen Käse, Honig, Wurst und Obstbränden Position beziehen. An Unterschriftenlisten mangelt es nicht - stoßweise liegen Zettel am Gemeinde-Stand auf. Zuckerln gibt es auch. (apa)

6.8.2004 07:59