Donnerstag, 5. August 2004

Wer folgt Ferrero-Waldner aus Außen- ministerin? Ursula Plassnik hat gute Karten!

  • NEWS: Von Schüssels strengster Mitarbeiterin über den Schweizer Botschafter-Posten ins Außenamt?

Außenministerin Ferrero-Waldner wechselt im Spätherbst in die EU-Kommission nach Brüssel. Ein Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin wird gesucht. Die besten Karten für den Posten im Außenamt dürfte wohl Ursula Plassnik haben. Die 48-jährige war früher Schüssels strengste Mitarbeiterin und bekleidet derzeit das Amt des österreichischen Botschafters in der Schweiz. Ein NEWS-Porträt der möglichen neuen Außenministerin!

Ursula Plassnik ist machtbewusst. Eine fachlich glänzende Diplomatin. Und mit 1,90 Meter schlankem Gardemaß und elegant-blonder Haarmähne seit Jahren zudem optischer "Aufputz" in Europas erster politischer Liga. Als Tochter eines sozialdemokratischen Lehrerehepaares in Kärnten aufgewachsen, finalisierte sie ihr Jusstudium äußerst rasch, schon als 21-Jährige.

Der Wermutstropfen: Die kinderlose Diplomatin bezahlte für ihre Topkarriere privat einen relativ hohen Preis. Ihre erste Ehe mit dem heutigen Parlamentsdirektor Georg Posch (SPÖ) währte nur kurze acht Monate. Anfang 2003 endete auch ihre zweite Ehe mit dem Schweizer Diplomaten Gérard Stoudmann, damals Leiter des OSZE-Büros in Warschau.

Die harte Lady
Plassnik - sie gilt als frankophil, zudem Aristokratischem nicht abgeneigt und wird als liberal-bürgerlich beschrieben - agierte immer mit großer Bestimmtheit. Und mit ungenierter Härte, vor allem Journalisten gegenüber. Da konnte es schon passieren, dass die gestrenge Kabinettschefin ihr "gefährlich" erscheinende Kanzler-Interviews auch gegen dessen leisen Protest mitten im Gespräch stoppte oder schon fixierte Termine internationaler Journalisten beim Kanzler auf dem Wiener Ballhausplatz zu dessen vermeintlichem Schutz von einer Minute auf die andere cancelte. Letzteres führte dazu, dass etwa Florian Krenkel, der unbestrittene Presseprofi an Schüssels Seite, letztlich das Handtuch warf und zu Fürst Hans Adam nach Liechtenstein emigrierte.

Die sportliche Lady
Sechs Jahre lang werkte Plassniks an Schüssels Seite. Ihr Manko: größtes Misstrauen gegenüber der Öffentlichkeit, gegenüber den Medien. In keinem Archiv findet sich bislang ein Interview der toughen Diplomatin - Porträts über die Kärntnerin sind selbst mit der Lupe kaum zu finden. Dabei: Wenn der "blonde Schatten des Kanzlers" einmal Vertrauen gefasst hat, ist sie "der beste Kumpel, die beste Freundin, die man sich nur vorstellen kann", beschreiben sie einige wenige Kollegen und Mitarbeiter. Und als sportliche Joggerin in den frühesten Morgenstunden, selbst dann, wenn sie den Kanzler bei Parteitagen abschirmt, im Ausland coacht oder ihm in Brüsseler EU-Schlachten zur Seite stand.

Plassnik - will sie überhaupt?
Trotz allem wird ein "Überraschungsminister", den Schüssel in letzter Sekunde aus dem Hut zaubert, in Wiener Diplomatenkreisen noch nicht ganz ausgeschlossen. "Wie am Beispiel des Tirolers Günther Platter ersichtlich - diesen Gendarmen hat vorher auch keiner gekannt, aber der Kanzler machte ihn zum Verteidigungsminister." Ferner fragen sich altgediente Diplomaten, ob Plassnik "überhaupt will, denn ein Ministeramt bringt Einbuße an Lebensqualität". Freunde von Plassnik hingegen dazu: "Sie macht dieser Tage nicht den Eindruck, dass sie in einem schweren seelischen Konflikt stünde."

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5.8.2004 13:51