"G'sunde Watschen"-Diskussion erneut angeheizt: Ist sanfte Ohrfeige in Ordnung?
- Psychiater Eichberger: Erziehung mit Gewalt notwendig
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Für große Aufregung sorgt die die Aussage des ärztlichen Direktors des NÖ Donauklinikums Primarius Gerd Eichberger. In einem Gespräch mit einer niederösterreichischen Tageszeitung meinte dieser, die "sanfte Ohrfeige" sei durchaus in Ordnung. Empörte Reaktionen kommen von Seiten der Grünen und des Kinderpsychiaters Max Friedrich.
In einem Interview in den "Niederösterreichischen Nachrichten" spricht sich Chef-Psychiater Gerd Eichberger für "körperliche Konfrontation" und die Einsetzung von "Ohrfeigen" aus. Eichberger auf die Frage, ob man Aggression nur mit Gegengewalt in den Griff bekommen kann: "Genau so ist das. Eine gepflegte, maßvolle Ohrfeige wäre die adäquate Reaktion auf die ersten gewaltsamen Ausbrüche junger Menschen. Die sanfte Gegengewalt müsste schon in den Volksschulen einsetzen..."
Im Zusammenhang mit zunehmenden Vandalismus würden Jugendliche zum Kennenlernen ihrer Grenzen die körperliche Auseinandersetzung brauchen.
Scharfe Kritik von Psychiater Max Friedrich
Der renommierte Psychiater Professor Max Friedrich hat nun die Statements Eichbergers auf das Schärfste zurückgewiesen. "So sehr ich den Psychiater Eichberger schätze, muss eine solche Aussage mit aller Schärfe zurückgewiesen werden. Gerade die Kinderpsychiatrie hat sich durch Jahrzehnte um die gewaltfreie Erziehung bemüht, und so kann ich Kollegen Eichberger nur darauf hinweisen, er möge sich um die ihm anvertrauten Patienten kümmern. Ob dabei seine Aussagen über Gewalt unwidersprochen bleiben, mag im Raum stehen bleiben", so Friedrich in einem Schreiben an die APA.
Friedrich verwies darauf, dass "in allen Kinder und Jugendliche betreffenden Gesetzen, die Erziehungsgewalt gegen den Begriff des Kinderwohles ersetzt worden ist". Zudem stelle "jede Ohrfeige einen Gewaltakt dar, der die Würde des geschlagenen Menschen mindert". Es sei ein Widerspruch in sich selbst, von einer 'gepflegten' und 'maßvollen' Ohrfeige zu sprechen, da es diese beiden schmückenden Beiworte im Zusammenhang mit Gewalt nicht geben kann. Auch der Begriff 'adäquate Reaktion', wie ihn Eichberger verwendete, sei laut Friedrich irreführend: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten."
Die Grünen sind empört
Die Aussagen Eichbergers stießen auch auf Kritik der NÖ Grünen: LAbg. Helga Krismer sieht darin einen "klaren Fall für die Disziplinarkommission".Krismer betonte dazu, körperliche Gewalt sei niemals ein Mittel, um Kinder zu erziehen: "Körperliche Gewalt führt immer nur zu neuer Gewalt." Ein ärztlicher Direktor mit derartigen Ansichten sei völlig fehl am Platz.(apa/red)
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