Montag, 2. August 2004

Deutschland führt "Alcopops"-Steuer ein: Diskussion startet jetzt auch in Österreich

  • ÖAMTC fordert: Jugendschutzbestimmungen einhalten
  • PLUS Umfrage: Sondersteuer auf Alcopops gute Idee?

In Deutschland wird seit Anfang August eine Sondersteuer auf Alcopops eingehoben, um junge Leute vom Kauf abzuhalten. Auch in Österreich beginnt jetzt die Diskussion, wie man mit den alkoholhältigen Limonaden umgehen soll. Bevor man über neue Steuern nachdenkt, sollten die österreichischen Jugendschutzbestimmungen für den Konsum alkoholischer Getränke eingehalten werden, forderte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa in einer Aussendung.

Der Touringclub regt zudem eine bundesweite Vereinfachung und Angleichung an. "Österreichs Jugendschutzgesetze sind zu komplex und schwer vollziehbar. Wenig bekannt ist beispielsweise, dass in den Bundesländern ein unterschiedliches Schutzalter besteht", so Donosa. Derzeit darf etwa in Wien und Vorarlberg Alkohol ab 16 konsumiert werden, in Kärnten oder Oberösterreich wiederum sind zwischen 16 und 18 Jahren nur bestimmte Getränke erlaubt.

Laut ÖAMTC sinkt durch Alcopops die Hemmschwelle bei Teenagern, Alkohol zu trinken. Die besondere Gefahr liege darin, dass man den Alkohol kaum herausschmeckt und der tatsächliche Gehalt unterschätzt wird. "Im Straßenverkehr können die beliebten Getränke in den bunten Flaschen deshalb folgenschwere Wirkung haben", warnt die Verkehrspsychologin.

Allerdings warnt die Verkehrspsychologin vor einer generellen Dämonisierung und restriktiveren Verboten als alleinige Maßnahme. "Gerade Jugendliche müssen den verantwortungsvollen Umgang erst lernen. Dabei muss deutlich gemacht werden, dass Alkohol im Straßenverkehr absolut keinen Platz hat", weiß Donosa.

Der Club fordert einen klareren Preisvorteil sowie mehr Einfallsreichtum und attraktivere Marketingmaßnahmen bei antialkoholischen Getränken. "Warum keine 'Happy Hour' bei Orangensaft?", fragt Donosa. Für die Unfallprävention sei es wichtig, gerade Jugendlichen preisgünstige und attraktive antialkoholische Getränke anzubieten.

Im Vorjahr sind in Österreich bei 2.841 unter Alkohol-Einfluss verursachten Verkehrsunfällen 84 Menschen getötet und 4.020 verletzt worden. Trotz Einführung der 0,5-Promille-Grenze sowie der drastischen Erhöhung der Mindeststrafen (1998) steigt die Zahl der Alko-Unfälle seither kontinuierlich. Besonders auffallend ist die Situation bei den jungen Verkehrsteilnehmern: Schon jeder zweiter Alko-Lenker, der in einen Unfall verwickelt wird, ist zwischen 18 und 24 Jahre alt.

(apa/red)

2.8.2004 10:42