Mittwoch, 28. Juli 2004

Gewinner der Sommersaison: Städte- tourismus in Österreich beliebter denn je

  • Wirtschaftskammer befürchtet heuer schwache Saison
  • Reisetrend geht dieses Jahr klar in Richtung Kurzurlaub

Der klare Gewinner der heurigen Sommersaison heißt Städtetourismus. Für Ferienhotels läuft es wegen des kühlen Wetters eher schlecht, so Hans Melcher, Obmann des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Betriebe mit alternativen Angeboten seien aber vom Rückgang weniger stark betroffen. Österreichs Hotellerie setzt nun auf August und September, um zumindest an die Ergebnisse des Jahres 2002 anschließen zu können.

Im Mai und Juni sind die Nächtigungen österreichweit um 1,2 Prozent auf 14,7 Millionen zurückgegangen. Wien konnte allerdings ein Plus von 12,2 Prozent erzielen, das Bundesland Salzburg von 5,1 Prozent. Deutliche Rückgänge mussten dagegen beispielsweise das Burgenland (minus 9,9 Prozent), die Steiermark (minus 9,8 Prozent) oder Kärnten (minus 6,9 Prozent) hinnehmen.

Gute Buchungslage im August
Auch im Juli sei ein Minus im Ferientourismus zu erwarten, so Melcher. Die Buchungslage im August sei allerdings so gut, dass das schlechtere Juli-Ergebnis wieder wettgemacht werden könne. Zudem hoffe man auf einen guten September. Die österreichische Hotellerie wäre zufrieden, wenn die Zahlen des Jahres 2002 wieder einigermaßen erreicht werden könne. Es sei zu befürchten, dass die Ergebnisse der heurigen Sommersaison (Mai bis Oktober) unter jener des Vorjahres liegen werden.

Trend geht zu Kurzurlauben
Bei den ausländischen Touristen gibt es bisher vor allem wieder Zuwächse bei Gästen aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden aber auch aus den neuen EU-Mitgliedern sowie Rumänien und Russland. Verstärkt habe sich der Trend zu Kurzurlauben, die bei gutem Wetter eventuell auch verlängert werden. Mehrere kürzere Urlaube, oftmals auch im selben Hotel, nehmen zu. Der dreiwöchige Urlaub wird seltener.

Wichtig sind Alternativ-Programme
Wichtig seien Alternativ-Programme wie etwa Wandern oder Golfen für kältere Tage, betont Melcher. Bei Golf etwa müsste man den Einstieg erleichtern, beispielsweise auch durch die Einbindung in Schullandwochen. Gefordert seien bei den Schlechtwetter-Programmen touristische Organisationen von Ländern und Gemeinden aber auch die Betriebe selbst, beispielsweise durch Kooperationen mehrerer kleinerer Betriebe in einem Dorf.

Zwischenkategorie für Sterne gefragt
Eine wichtige Orientierungshilfe für Urlauber sind die "Sterne" in der Hotellerie. Hier wird derzeit überlegt, eine so genannte "Zwischenkategorie" bei Drei/Vierstern bzw. Vier/Fünfstern einzuführen. In Deutschland gibt es diese zusätzliche Einstufung "Superior" bereits. Eingeführt wird sie auch in der Schweiz und in Südtirol. Im Herbst soll die Evaluierung für Österreich erfolgen. Melcher sieht gute Chancen, dass es Drei-Stern-Superior und Vier-Stern-Superior geben wird. Für rund ein Viertel der Betriebe könnten diese Zwischenkategorien in Frage kommen.

Probleme bei Sterne-Vergabe
In Österreich lassen sich derzeit 53 Prozent der Hotelbetriebe klassifizieren, wichtig sei, dass vor allem große Betriebe mit wenigen Ausnahmen dabei seien, so Melcher. Die Vergabe der Sterne läuft aber nicht immer friktionsfrei ab. Es ergebe sich manchmal ein gewisses Problem mit Eigenklassifizierungen oder internationalen Markennahmen, die die österreichischen Richtlinien als nicht bindend erachten. So wollen beispielsweise die Betreiber des Wiener Hilton fünf Sterne oder wollen sich nicht klassifizieren lassen. Die Prüfungskommission sei der Meinung, dass es sich um ein sehr schönes Hotel handle, das dem Vier-Sterne-Bereich zuzuordnen sei, aber nicht der Luxusklasse, so Fachverbandsgeschäftsführerin Gabriele Leitner.

Generationenwechsel in der Gastronomie
Erneuert hat der Fachverband heute seine steuerlichen Forderungen wie die Wiedereinführung des 4-prozentigen Abschreibungssatzes und die Abschaffung des 2001 eingeführten 3-prozentigen Abschreibungssatzes. Abgeschafft werden müssten Werbeabgabe, Kreditvertragsgebühr und die Eintragungsgebühr für Hypotheken. Zudem stehe in der Hotellerie ein Generationenwechsel bevor, mehr als 30 Prozent der Unternehmer sein älter als 50 Jahre. Betriebsnachfolger sollten daher die gleiche Förderung wie Unternehmensgründer erhalten, fordert Melcher. Dringend notwendig sei auch das Auffüllen der leeren Fördertöpfe der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) auf 30 Mio. Euro. Der ÖHT stünden für 17 Mio. Euro an Mitteln für die TOP Tourismusförderung zur Verfügung, diese seien derzeit ausgeschöpft. Von der Senkung des Körperschaftsteuersatzes profitieren laut Fachverband 1.455 Betriebe. (apa/red)

28.7.2004 14:22