Urlaub 2004: Die Touristen verreisen zwar kürzer, dafür aber immer öfter und teurer
- Österreich hat die weltweit höchste Tourismusdichte
- Boom von Billigfliegern führt zu niedrigeren Reisekosten

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Drei Haupttrends charakterisieren heute die internationale Tourismusindustrie: Reisende sind bereit, im Urlaub mehr auszugeben, Reisen werden kürzer, aber häufiger und es gibt eine signifikante Nachfrageverschiebung in Richtung älterer, zahlungskräftiger Kundschaft. Österreich hat gute Voraussetzungen, um von diesen Trends zu profitieren, reagiert aber nur teilweise koordiniert.
Österreich sollte sein Tourismus-Marketing daher künftig stärker an Kundenwünschen und vorhandenen Ressourcen und nicht - wie bisher - an Regionen orientieren, so Julian Pötzl und Veronika Kvarda, Tourismusexperten bei Roland Berger Strategy Consultants.
Österreich mit höchster Tourismusdichte
"Österreich ist mit 2,3 Besuchern je Einwohner das Land mit der weltweit höchsten Tourismusdichte. Die Alpenrepublik gilt als Vorzeigemodell für erfolgreich geführte Destinationen. Das beginnt beim Markenauftritt und endet bei der einheitlichen Wahrnehmung der charakteristischen Merkmale Österreichs", sagt Pötzl. Trotzdem besteht auf Grund einschneidender Veränderungen in der globalen Tourismusindustrie Handlungsbedarf: Der Trend geht weg von der Vermarktung geografischer Regionen hin zu gezielten Kundenperspektiven. "Derzeit liegt in Österreich ein zu starker Fokus auf Regionen und nicht darauf, welche Angebote/Ressourcen es dort gibt.
An- und Abreise immer günstiger
Weiterer Trend: Während für die An- und Abreise immer weniger Geld ausgegeben wird, steigen die Aufwendungen während des Aufenthalts. 1993 wurden noch 40% des Reisebudgets für Anreise und Buchung ausgegeben, 2003 waren es nur noch 33%. "Der Boom bei Billigfliegern hat allgemein zu einer Zunahme von Flugreisen geführt, da auch etablierte Carrier mit den Preisen nach unten gegangen sind.
Kurzurlaub und Städtetrips im Trend
Reisen werden immer kürzer, dafür geht der Trend hin zum Zweit- und Dritturlaub. Gefragt ist mehr Erholung in kürzerer Zeit im Aktivurlaub und mehr Erlebnis bei Kurzreisen in Städte. "Aus einem langen Urlaub pro Jahr werden ein Lang- und ein Kurzurlaub oder mehrere Kurztrips", meint Kvarda. Städtereisen sind mit fast 50% noch immer der häufigste Grund für einen Kurzurlaub, das Interesse stagniert allerdings. Die größten Wachstumsraten weisen Sporturlaube und Rundreisen auf, die stärksten Rückgänge gibt es bei Bildungs- und Sprachreisen. Schiurlaube und Wellness-Aufenthalte stagnieren auf niedrigem Niveau.
Nächtigungsplus in Österreich
Österreich partizipiert gut am Trend zu kürzeren Aufenthalten. Bei den Nächtigungen in Städten konnte die Alpenrepublik um mehr als sieben Prozent zulegen. "Es gilt, das bestehende Angebot an Sportmöglichkeiten und Rundreisen aus- und auf dem guten Ruf aufzubauen. In einigen Bereichen wie dem Thermentourismus besteht allerdings die Gefahr, dass Gäste wegen der höheren Kosten ins benachbarte Ausland ausweichen."
"Verstaubtes" Image bei den Deutschen
Österreich ist in diesem Segment vor allem bei deutschen Touristen sehr beliebt, hat hier teilweise aber noch immer ein sehr "verstaubtes" Image. Pötzl rät, das Segment der "wohlhabenden" Reisenden über 50 durch die Entwicklung von eigenen Angeboten auch im höherpreisigen Bereich und mit eigener Vermarktung verstärkt anzusprechen. "Die saisonale Unabhängigkeit dieser Zielgruppe kann die Auslastung in manchen Regionen deutlich erhöhen. Doch ein möglicher Interessenkonflikt zwischen jüngeren und älteren Gästen kann andere wachstumsstarke Segmente vom Kommen abhalten", so Pötzl zu Chancen und Risken. (pte/red)
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