Mittwoch, 28. Juli 2004

Fahrenheit 9/11: Die Macht der Bilder
Die Akte 9/11: Wie die Anschäge abliefen

  • Michael Moores Anti-Bush-Feldzug startet am 6. 8.

Die Akte 9/11: Wehrlose Weltmacht: 1.200 Zeugen aus zehn Ländern, 2,5 Millionen Seiten Dokumente: Eine parlamentarische Untersuchungskommission hat die Anschläge des 11. September penibel durchleuchtet. Das Ergebnis: Völliges Versagen von Regierung und Geheimdiensten ebnete Terroristen den Weg.

Fahrenheit 9/11: Wie das amerikanische Enfant terrible Michael Moore mit seinem neuen Film den politischen Umsturz bei den Präsidentschaftswahlen am 2. November herbeiführen will.

Als Mann mit ausgeprägtem politischem Sendungsbewusstsein muss Michael Moore im stillen Kämmerlein mit Fehleinschätzungen der letzten Jahre hadern. Bei der US-Präsidentschaftswahl 2000 unterstützte er den Grünen Ralph Nader, der Al Gore letztendlich entscheidende Stimmen wegschnappte. Während der Vorwahlen der Demokraten für die Wahl am 2. November sprach er sich öffentlich für die Kandidatur des Golfkriegsgenerals Wesley Clarke aus – und muss jetzt mit Auftritten am Rande des demokratischen Nominierungsparteitags in Boston davon überzeugen, dass auch John F. Kerry der richtige Mann ist, wenn es um das große Ziel geht: George W. Bush muss raus aus dem Weißen Haus!

Machtwechsel. Mit seinem neuesten Film „Fahrenheit 9/11“ will Moore, der den Siegeswillen der Herausfordererpartei in Interviews durchaus anzweifelt, zum politischen Umsturz in den USA entscheidend beitragen. Würde die Wahl an den Kinokassen entschieden, könnten Kerry und sein „running mate“ für die Vizepräsidentschaft, John Edwards, die Umzugskisten für Washington schon packen. Mehr als 103 Millionen Dollar hat die erfolgreichste Politdokumentation aller Zeiten in den USA bereits eingespielt. In Österreich startet das 112-Minuten-Pamphlet mit 38 Kopien am 6. August – als NEWS-Vorpremiere bereits am 29. Juli.

Kino-Wrestling. Wie Moore den amerikanischen Präsidenten zu stürzen gedenkt, gleicht einer cineastisch-argumentativen Umsetzung der Gefühlssportarten Wrestling, Rugby und Kickboxen. George W. und sein Daddy, der Expräsident, stehen am Pranger. Die Stimmenauszählung? Von Floridas Gouverneur Jeb Bush (dem Bruder) getürkt. Die Terrorprävention? Im Terminplan des Präsidenten zwischen Urlaub und Golfabschlag marginalisiert. Der Umgang mit den Verantwortlichen für die Anschläge auf das World Trade Center? Milde gesagt – befangen. Die Bush-Family sei mit den bin Ladens geschäftlich verbunden.
Moore zeigt irakische Zivilisten beim Glücklichsein vor dem Krieg und von der US-Army zusammengeschossene Kinder. Er lässt Soldaten als Misshandler irakischer Gefangener Täter sein, aber auch Opfer eines Kriegs, den vehement rekrutierte Exlangzeitarbeitslose nicht verstehen. Während der schnelle Eroberungsfeldzug nach Bagdad zur zermürbenden Vietnam-Reminiszenz wird, trifft Moore die Soldatenmutter, die den sinnlosen Krieg anklagt. US-Abgeordnete, die Moore am Kapitol stellt, um sie aufzufordern, doch ihre eigenen Kinder nach Bagdad zu schicken, winden sich peinlich berührt vor der Kamera.

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28.7.2004 17:00