Mittwoch, 28. Juli 2004

Hunde-Alarm: Stoppt die Killerhunde!

  • Die Zahl der Hundeattacken hat sich verdoppelt.
  • 6.200 Biss-Opfer pro Jahr klagen an!

Immer öfter werden Kinder Opfer von Hundeattacken.
Der Grund: erhöhtes Aggressionspotenzial durch die Fehler der Hundehalter.
Experten fordern Hundeführerschein und Kampfhundeverbot.
Plus: So schützen Sie Ihr Kind vor Hundeangriffen.

Es war der 15. Juli 2004, als Diabolo zur unkontrollierbaren Kampfmaschine wurde. Sein Opfer: die achtjährige Bianca*. Sie hatte nichts anderes getan, als sich vor dem American-Staffordshire-Terrier zu fürchten. Es folgt die blutige Chronologie eines Kampfes, in dem ein Kind zur wehrlosen Beute wird und ein bis dahin unauffälliger, zutraulicher Hund zum brutalen Jäger. Nur dem Umstand, dass der Hund mit zehn Monaten noch nicht im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte war, ist es zu verdanken, dass Bianca schwer verletzt überlebte. Stundenlang wurde das geschockte Mädchen im LKH Leoben operiert.

6.200 Hundeattacken. Seit dieser Meldung vergeht kaum ein Tag ohne neue Hundebissattacken in Österreich. Und Fakt ist: Noch nie wurden so viele Bisse registriert wie heuer. Die Anzahl der Biss-Delikte hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Und damit ist die Diskussion um schärfere Gesetze, Hundeführerschein und Kampfhundeverbot wieder aktuell.

Allein im Vorjahr mussten nach Angaben des „Instituts Sicher Leben“ 6.200 Österreicher nach Hundebissen im Spital behandelt werden. 64 Prozent davon waren Erwachsene, 11 Prozent Kinder. Rupert Kisser, Leiter des Instituts: „Wir haben in den letzten Jahren einen signifikanten Anstieg an Bissunfällen festgestellt. Täglich müssen 17 Personen im Krankenhaus verarztet werden.“ Für den Gesundheitspsychologen ist die Zunahme auf die erhöhte Zahl von Wachhunden und die zunehmende Beliebtheit großer Hunderassen zurückzuführen: „Es ist wie bei den Autos, die müssen auch immer größer werden. Früher hat ein Foxel gereicht, heute wollen die Leute gleich einen Golden Retriever.“

Schuld sind die Hundehalter. Ursachen für Hundeattacken gegen Menschen sieht Hundeombudsfrau Marietta Bauer vorrangig in der Haltung: „Viele Besitzer behandeln ihre Tiere nicht richtig. Sie bauen keine enge Beziehung zu ihnen auf. Dadurch vereinsamen diese Hunde und drehen dann irgendwann durch und beißen zu.“

Schuld an den Vorfällen sind laut einhelliger Meinung aller Experten meistens die Hundehalter selbst. Harald Pettenhofer, Leiter des Polizeidiensthundestützpunktes Leoben: „Der Hundehalter macht aus dem Hund, was er ist. Und deshalb braucht der Besitzer eine Ausbildung.“ Eine Anregung, die auch bei Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima Anklang findet: „Ein Hundeführerschein ist vorstellbar“ (siehe Interview im neuen NEWS).

Hundeführerschein. NEWS hat gemeinsam mit Hunde-Experten einen möglichen Prototyp dieses „Hundeführerscheins“ entwickelt. Die wichtigsten Punkte: Nur Besitzer des Scheins – also Absolventen einer Ausbildung – sind zur Haltung von Hunden berechtigt. Die Kursdauer richtet sich nach Größe und Rasse des Tieres. Auch Personen, die den Hund nur spazieren führen, müssen dafür qualifiziert sein. Und: Der Hund muss jährlich dem Amtstierarzt zum Durchchecken vorgeführt werden und wird mittels Chip registriert.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Umweltstadträtin Ulli Sima zur Hundeproblematik
PLUS: Tipps vom Experten: So schützen Sie Ihr Kind

28.7.2004 16:04