Mittwoch, 28. Juli 2004

Kurt Krenns Überlebenskampf: Sein letzter Kreuzzug

  • Krenn leistet Widerstand gegen die päpstlichen Anordnungen

Er ist krank. „Und das ist gut so, denn das erlaubt ihm einen Ausstieg in allen Ehren.“ Ein „Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen“, so ein hochrangiger Mitarbeiter der katholischen Kirche, „wäre für Kurt Krenn das beste Szenario“.

Freilich kann es auch viel schlimmer kommen. „Wenn sich nämlich die erhobenen Vorwürfe bestätigen, dann könnte die Visitation in St. Pölten auch mit schwerer Bestrafung enden“, zeigt Joaquín Llobel, Referent des Supremo Tribunale della Segnatura Apostolica in Rom, die für Bischof Krenn bösere Alternative auf.
Hart auf hart. Seit dem vorwöchigen Treffen der Diözesanbischöfe in Mariazell kennt Kurt Krenn den Ernst seiner Lage. Die anwesenden Hirten teilten ihrem Mitbruder Krenn in aller Härte die folgenden Fakten mit:

  • Die Ernennung von Bischof Klaus Küng zum gesamtdiözesanen Visitator mit uneingeschränkter Handlungsvollmacht bedeutet seine völlige Entmachtung. Selbst Wortmeldungen „zur Sache“, deren es in den vergangenen Tagen einige gab, hätten mit Küng abgestimmt werden müssen.

  • Eine Rückkehr in die Diözese sei unmöglich – spätestens nach Vorliegen des Visitationsberichtes erwarte sich der Papst in Rom einen „Rücktritt aus Gesundheitsgründen“. Der Tenor des Küng-Berichtes hänge von Krenns Wohlverhalten während der Visitationszeit ab. Ob „Resignation mit anschließender Emeritierung“ („in allen Ehren“) oder strafweiser Entlassung aus der Diözesanführung, sei Krenns eigene Entscheidung.

  • Die Visitation geschehe im Auftrag des Papstes – ohne Küngs Zustimmung dürfe Krenn daher keinerlei diözesane Veranlassungen treffen. Auf Dauer der Untersuchung verfüge Krenn über keine Amtsgewalt. So dürfen weder Weisungen erteilt noch Gehorsam eingemahnt werden. Die Diözese unterliege vielmehr der totalen Kuratel von Visitator Küng.

    In einer ersten Reaktion nahm der sichtlich geschockte und unter Medikamenteneinfluss stehende Krenn seine Entmachtung zur Kenntnis.

    In einer zweiten Aktion nahm er aber den Fehdehandschuh auf – und begann mit der Formierung seiner Regimenter.

    Kuriose Entlastungsversuche. Am Dienstag der Vorwoche wurde der zur Behandlung seines Tremorleidens in einer Klinik nahe München weilende Krenn vom Bischofskollegen Klaus Küng mit dem päpstlichen Visitationsdekret überrascht. Danach reiste Krenn ins oberösterreichische Oberkappel, wo er sich ins Haus seiner Schwester zurückzog, um seine Getreuen um sich zu scharen:
  • Vater und Sohn Engelmann, die Herausgeber der extrem reaktionären Kampfgazette „Der 13.“, riefen zu einer Unterschriftenaktion auf;
  • der ehemalige Theologieprofessor Robert Prantner gab öffentliche Ehrenerklärungen für Krenn ab;
  • der dem vorkonziliären Katholizismus verfallene Volksanwalt Ewald Stadler sprach Krenn via TV von allen Vorwürfen frei;
  • und zwei NÖ-Politiker bürgten, beide aus privaten Gründen, für die Lauterkeit des ehemaligen Regens des Priesterseminars von St. Pölten, Ulrich Küchl.

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    28.7.2004 15:48