Mittwoch, 28. Juli 2004

Der Salzburger Societykrieg

  • Salzburgs Alteingesessene wehren sich gegen Zuzug von Adabeis und Neureichen

Als Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler vergangenen Samstag in dunkelblauer Robe das Foyer des Großen Festspielhauses zur Eröffnungspremiere von „King Arthur“ betrat, erschrak sie nicht wenig. Neben ihr tauchte eine Figur, von Frisur bis Schuh in schrilles Orange getaucht, wie aus Disneyworld auf: Societysirene Nataly Kimmel, Ehefrau des stämmigen Selfmade-millionärs Peter W. Kimmel.

Die beiden Welten könnten nicht gegensätzlicher sein. Was die Lugners dem Wiener Opernball, sind die Kimmels neuerdings der Salzburger Festspielgesellschaft. Rabl-Stadler scheut sich nicht, das Phänomen der Parvenus von Salzburg beim Namen zu nennen: „Natürlich ziehen die Festspiele auch Adabeis an wie das Licht die Motten. Für Leute, die nicht wegen der Kunst kommen, sondern um sich selbst ins Treffen zu führen, fehlt mir jegliches Verständnis. So ein Fall ist zum Beispiel der Herr Kimmel.“

Schnelle Flucht. Der Dame konnte alsbald geholfen werden, denn die Kimmels verließen das anspruchsvolle Bühnenwerk bereits nach dem ersten Akt. Sie hatten schließlich noch ganz andere Repräsentationsaufgaben zu erfüllen, etwa die feierliche Begrüßung der Festgäste des von ihnen initiierten ersten Sommernachtsballs in Schloss Hellbrunn. Ehrengäste: Karl Moik, DJ Ötzi, Hannes Kartnig. In einem „Kristallpalast“ benannten weiß-betuchten Riesencontainer moderierte Alfons Haider zwischen schillernden Samba-Tänzern, Walzerklängen und Tombola. Kein Wunder, dass die traditionelle Festspielsociety mit Kimmels Tanzstadl nichts zu tun haben wollte. Karl Moik blickt prompt durch: „Salzburg hat den Ruf der Arroganz. Eine gewisse Clique sagt, wir bleiben unter uns. Dieser Ball ist halt nichts für die Super-Hautevolée.“

Klassenkampf ist eröffnet. Schon im Vorfeld war es abzusehen, dass den Ballimport kaum jemand der bekannten Salzburg-Größen besuchen wollte. Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler, die auch heuer wieder ihr exklusives Schwammerlessen anbietet: „Das ist eine andere Society. Man muss ja nicht überall sein. Würden die Festspiele einen Sommernachtsball machen, würden wir selbstverständlich alle hingehen, aber so ist das doch ein importiertes Konzept.“

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28.7.2004 15:18