"Mehrarbeit darf kein Tabu sein": Sorger im NEWS-Interview über Arbeitszeit-Modell
- Industrie-Präsident: "Lage ist ernst". Arbeitnehmer seien durchaus zu Mehrarbeit bereit
·Länger Arbeiten ohne Lohnausgleich
Bartenstein: Verlängerung kollektivvertraglich möglich
·Mehrheit glaubt: Arbeitzeit wird länger
Mehr jobben ohne mehr Gehalt wird abgelehnt
·Grasser will zwei Feiertage streichen!
Reaktionen: Nein aus allen Lagern.
·Protestwelle bei Daimler/Chrysler
60.000 legten in Deutschland Arbeit nieder
In einem Interview für die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS spricht sich der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, dafür aus, in Österreich fallweise auch Mehrarbeit nach deutschem Modell einzuführen. "Das Thema Mehrarbeit darf kein Tabu sein, wenn es darum geht, Unternehmen und Jobs in Österreich zu halten", erklärt Sorger in NEWS.
Der Industrie-Präsident glaubt, dass Arbeitnehmer durchaus zu Mehrarbeit bereit sind. "Wenn es Jobs schafft oder nur für eine begrenzte Zeit eingeführt wird, wird es Verständnis für eine solche Maßnahme geben", so Sorger im NEWS-Interview. Er spricht sich dafür aus, den Arbeitnehmern Gegenleistungen anzubieten. Sorger: "Gewinnbeteiligungs-Modelle oder Erfolgsprämien können ein Anreiz sein." Auch die Arbeitsplatz-Sicherheit, wie in Deutschland, könne für viele Arbeitnehmer interessant sein.
Der Präsident der Industriellenvereinigung konkretisiert in NEWS erstmals seine Vorstellung einer stufenweisen Umsetzung. Denn schon heuer wollen die Arbeitgeber-Vertreter erste Maßnahmen vertraglich fixieren. "Bei den kollektivvertraglichen Lohnverhandlungen im Herbst wird die Industrie auf Sozialpartner-Ebene mehr Flexibilität einfordern", erklärt Sorger. Ein zentraler Punkt ist laut Sorger, die tägliche Höchst-Arbeitszeit von derzeit zehn Stunden hinauf zu setzen. "Aus den Reihen der Sozialpartner habe ich für eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes positive Signale erhalten", zeigt der Industrie-Präsident im NEWS-Interview optimistisch.
Für Unternehmen, deren Existenz in Österreich stark gefährdet ist, will Sorger individuelle Einzellösungen auf Betriebsratsebene bzw. im Rahmen vom Betriebsvereinbarungen erreichen. "Besonders von Abwanderung gefährdet sind die Textil-Branche und die Schuherzeuger.
Die Lage ist ernst, wie ich aus persönlichen Gesprächen weiß", so
Sorger in NEWS. Sorger will "die ganze Palette an Möglichkeiten
ausschöpfen", bevor Unternehmen verloren gehen. Mehrarbeit wie in Deutschland ist für Sorger "eine der Optionen". Vollkommen falsch sei, dass eine Arbeitszeit-Verlängerung Jobs kostet. Mehrarbeit stelle eine klare Kostenentlastung dar, betont der Industrie-Präsident in NEWS.
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